Geförderte Projekte

WILDES HERZ

Regie: Charly Hübner, D 2017

Dokumentarfilm, 90 min

Produktionsförderung

Förderempfehlung: 2. Sitzung 2014/ 30.000 €

D 2017, Dokumentarfilm, 90 min, Regie: Charly Hübner, Sebastian Schultz, Eichholz Filmproduktion in Koproduktion mit dem NDR, der Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern, der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, dem Kuratorium Junger Deutscher Film

 


Synopsis

"Wildes Herz kennt keine Ruh′" ist ein Dokumentarfilm über Jan "Monchi" Gorkow, den Sänger der Rostocker Punkband „Feine Sahne Fischfilet“, der mit seiner Band aktiv gegen Rassismus, Antisemitismus und Homophobie vorgeht und zum wiederholten Mal im jährlichen Verfassungsschutzbericht des Landes Mecklenburg-Vorpommern als staatsfeindlich eingestuft wurde. Der Film will dieser Diskrepanz auf den Grund gehen und probieren, diesen geistigen, politischen und psychologischen Widerspruch aufzulösen.

Drehorte in MV: u. a. Demmin, Parchim, Rostock

 

WILDES HERZ von Regisseur Charly Hübner erhält BESONDERS WERTVOLL

Filmbewertungsstelle vergibt Prädikat an vom Land geförderten Film

Die Punkband "Feine Sahne Fischfilet" und ihr Frontmann Jan "Monchi" Gorkow positionieren sich in Mecklenburg-Vorpommern sehr deutlich gegen die rechte Szene. Dadurch taucht die Band regelmäßig im Verfassungsschutzbericht des Landtags auf. Der Schauspieler Charly Hübner hat als Regisseur mit Co-Regisseur Sebastian Schultz Monchi und seine Band bei ihrer Anti-Rechts-Tour "Noch nicht komplett im Arsch", die durch ganz Mecklenburg-Vorpommern führte, begleitet. WILDES HERZ zeigt Monchis Entschlossenheit, sein Engagement, aber auch das Kantige an ihm. Ein dynamischer Film und ein liebevoll ehrliches Porträt über einen Musiker und das, was er über alles liebt: seine Heimat.

Am Set in Parchim: Sabine Matthiesen, Leiterin Filmförderung MV, Charly Hübner

WILDES HERZ wurde von der Kulturellen Filmförderung des Landes mit 30.000€ gefördert. Die Auswahlkommission vermutete zu Recht einen sehr interessanten und lebendigen Film. Und sie waren überzeugt von den verantwortlichen Akteuren des Films, allen voran Charly Hübner, der sein Langfilmdebut mit der Eichholz Stuben Filmproduktion realisierte. Fachleute aus Mecklenburg-Vorpommern waren bei Kamera und Ton beteiligt, Eddy Zimmermann und Richard Jakobi von der Rabauke Filmproduktion aus Rostock. Neue Visionen Filmverleih wird WILDES HERZ am 30. November 2017 in den Kinos starten.

Begründung der FBW-Jury

Für die Einen sind "Feine Sahne Fischfilet" linksradikale Musiker und Chaoten, für die Anderen politisch engagierte Künstler. Längst aber ist die Punkgruppe weit über ihren Heimatort Jarmen, ja selbst über Mecklenburg-Vorpommern hinaus bekannt. Jetzt hat Schauspieler Charly Hübner einen Film über ihren Frontmann Jan "Monchi" Gorkow gedreht.WILDES HERZ ist kein Bandfilm. WILDES HERZ ist aber auch kein reines Künstlerporträt. Der Film ist eine Reise in die Heimat Gorkows, ein Ausflug in das Spannungsfeld von Politik, rechter Gewalt und linker Gegengewalt im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. In der Diskussion zeigte sich die Jury beeindruckt von der Offenheit, mit der Gorkow vor der Kamera agiert.Ganz konventionell und chronologisch erzählt der Film aus dem Leben des Frontmanns. Das erscheint der Jury durchaus angemessen umgesetzt. Als kleines Kind ein hyperaktiver Junge, als Jugendlicher ein Fußballhooligan, der Spaß daran hat, Straftaten zu begehen und sich mit Polizisten zu prügeln, als junger Erwachsener der Sänger einer Politpunkband. Political correct, so erfahren Zuschauer gleich zu Beginn, war Gorkow nie, dafür aber spontan. Gewalt hat, auf die eine oder andere Art, sein Leben begleitet.

WILDES HERZ lebt von solch offenen und sehr persönlichen Bekenntnissen. Sie erst lassen den Wandel vom rechten Fußballrowdy zum linken Sänger plausibel werden. Frontmann Gorkow ist intelligent und authentisch. Er empfindet Ungerechtigkeit gegenüber anderen beinahe physisch am eigenen Leib. Eine Stärke, aus der er offensichtlich auch seine ungeheure Energie bezieht und der Film erklärt die Verflechtung von Beruflichem und Persönlichem.

Die Dokumentation zeigt offen, dass einige Texte der Band "Feine Sahne Fischfilet" zumindest politisch-radikal, wenn nicht gar gewaltbetont sind. Er bietet aber auch Erklärungen an. "Machen ist wichtiger, als schnacken", heißt es an einer Stelle. Ein Satz, der sich sowohl aus den Biographien der Bandmitglieder erklärt, als auch aus der politischen Realität in Mecklenburg-Vorpommern, wo Rechtsradikalismus ein umfassendes Problem darstellt. Da passt es gut, dass Protagonist Gorkow genauso ungeschützt, wie spontan zugibt, sogar er selbst habe noch immer Rassismus und Sexismus im Kopf. WILDES HERZ reißt seine Zuschauer mit. Schnitt und Montage stimmen und die Kamera leistet Großartiges. Hier und da neigt die Dokumentation allerdings dazu, in Richtung linker Heldenverehrung abzudriften. Die Jury hätte sich manchmal ein wenig mehr Distanz und vermehrt Stimmen der politisch jeweils anderen Seite gewünscht.

Dennoch schätzt die Jury Hübners Film als eine genauso wichtige, wie mutige Bestandsaufnahme zur politischen Situation in Mecklenburg-Vorpommern. Auch wenn ihr Engagement der Gruppe "Feine Sahne Fischfilet" einen ziemlich dauerhaften Platz im Bericht des Verfassungsschutzes eingebracht hat, wollen die Mitglieder der Band das nicht hinnehmen. Spontan und radikal wie sie sind, arbeiteten sie zur Landtagswahl 2016 ein Festivalprogramm aus und gingen ausgerechnet in den rechten Hochburgen Mecklenburg-Vorpommerns damit auf Tour.

www.fbw-filmbewertung.com