Geförderte Projekte

ÜBER LEBEN IN DEMMIN

Buch und Regie: Martin Farkas

Dokumentarfilm, 90 min, D 2017

Treatment- und Drehbuchförderung

Förderempfehlung: 2. Sitzung 2014/ 8.000 €


Produktionsförderung

Förderempfehlung: 2. Sitzung 2015/ 25.000 €

 

Verleih-, Vertriebs- und Abspielförderung

Förderempfehlung: 2. Sitzung 2017/ 2.250 €

Bildgestaltung: Roman Schauerte, Zweite Kamera: Martin Langner, Martin Farkas, Ton: Moritz Springer, Urs Krüge, Komposition: Mathis Nitschke, Produktionskoordination: Lisa Elstermann, Herstellungsleitung: Heike Günther, Redaktion rbb: Jens Stubenrauch, Redaktion NDR: Barbara Denz, Redaktion BR: Petra Felber, Fatima Abdollahyan, Produzentin: Annekatrin Hendel

Eine Produktion der IT WORKS! Medien GmbH in Koproduktion mit RBB, NDR und BR gefördert vom Medienboard Berlin Brandenburg, der BKM, Nordmedia, Kulturelle Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern und dem Nipkow-Programm, im Verleih der Edition Salzgeber

Uraufführung: 1. November 2017, DOK Leipzig

Kinostart: 22. März 2018

Filmkritik epd film: 4 von 5 Sternen

 

Synopsis

Demmin 8. Mai – Neonazis werden sich wie jedes Jahr zu einem "Trauermarsch" versammeln. Stunden vorher erlebt man die Stadt wartend, schweigend, so wie sie vor 70 Jahren nach der Flucht der Nazis auf das Eintreffen der sowjetischen Armee wartete. Der Film blickt zurück auf eine der größten Massenselbsttötungen in der deutschen Geschichte. Und vor allem darauf, wie eine vermeintlich längst vergangene Traumatisierung in ihren Folgen über mehrere Generationen weitergegeben wird – bis heute.

Drehorte in MV: Demmin

 

www.demmin-film.de

www.itworksmedien.com

www.regierung-mv.de

 

Vom Land geförderte Filme beim 14. Filmfest "der NEUE HEIMAT film"

24. bis 26. August 2018, Burg Klempenow

WILDES HERZ und ÜBER LEBEN IN DEMMIN auf Burg Klempenow

Die Erfolgsgeschichte der beiden von der Kulturellen Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern geförderten Filme geht weiter. Nicht nur der Einsatz und die Besucherzahlen in den deutschen Kinos sind sensationell, sondern auch bei Filmfestivals, u.a. in Mecklenburg-Vorpommern, sind sie fester Bestandteil der Programme. der NEUE HEIMAT film vom 24. bis 26. August ist das nächste Filmfestival, das WILDES HERZ von Charly Hübner und Sebastian Schultz und ÜBER LEBEN IN DEMMIN von Martin Farkas präsentiert – passend zum diesjährigen Motto ALTERNATIVLOS...

Filmstill aus WILDES HERZ, © Neue Visionen Filmverleih

"Wir können stolz auf unsere Filmförderung in MV sein, denn beide Filme sorgen mit Geschichten und Bildern aus Mecklenburg-Vorpommern für sehr viel Aufmerksamkeit in ganz Deutschland. Mehr als beeindruckend sind die Besucherzahlen, WILDES HERZ hat schon 53.000 Besucher und ÜBER LEBEN IN DEMMIN 15.000 Besucher in den deutschen Kinos erreicht. Zwei außergewöhnliche deutsche Dokumentarfilme, die sich unter unzähligen Neueinsätzen von Woche zu Woche behaupten, das sorgt in der gesamten Branche für große Aufmerksamkeit", freut sich Sabine Matthiesen, Leiterin der Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern.  

Die Termine auf Burg Klempenow:

WILDES HERZ: Freitag, 24. August, 17 Uhr mit Überraschungsgast

ÜBER LEBEN IN DEMMIN: Sonntag, 26. August, 19 Uhr in Anwesenheit von Regisseur Martin Farkas und Produzentin Annekatrin Hendel

Filmstill aus ÜBER LEBEN IN DEMMIN, © Edition Salzgeber

Darüber hinaus bietet das Filmprogramm eine große Bandbreite an spannenden Kurz- und Dokumentarfilmproduktionen. Regisseure wie Annekatrin Hendel, Volker Koepp und Ai Weiwei sind mit ihren aktuellen Filmen vertreten.

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Ein Filmfestival der Rekorde – das war der FiSH 2018

Die Kulturelle Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern stiftet Hauptpreis und präsentiert geförderte Dokumentarfilme in ausverkauften Sälen

Moderator Jürgen Suhr (rechts) im Gespräch zu ÜBER LEBEN IN DEMMIN mit dem Historiker Florian Huber und Regisseur Martin Farkas, Foto: ©FiSH – das Filmfestival im StadtHafen Rostock/ institut für neue medien gGmbH

Neben der Sparte JUNGER FILM, den Musikvideos des PopFiSH und dem diesjährigen Partnerland Litauen zogen vor allem die Filme aus der Reihe SehSterne wieder ein großes Publikum an. In dieser Programmsparte werden Lang- und Kurzspielfilme, Musikclips, Dokus und Experimentelles aus und über Mecklenburg-Vorpommern gezeigt. Die Dokumentarfilme WILDES HERZ und ÜBER LEBEN IN DEMMIN waren Teil des Programms und alle Vorstellungen in der Frieda 23 waren zügig ausverkauft. Nach den tollen Kinoerfolgen beider Filme waren die Aufführungen beim Rostocker Filmfestival ein Heimspiel für die Stoffe aus Mecklenburg-Vorpommern, die von der Kulturellen Filmförderung gefördert und präsentiert wurden. Regisseur und Kameramann Martin Farkas und Jan "Monchi" Gorkow kamen für die Filmgespräche nach Rostock.

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Überwältigende Resonanz zum Kinostart von ÜBER LEBEN IN DEMMIN

Ausverkaufte Kinosäle, lange Filmgespräche und ein dankbares Filmteam: der von der Kulturellen Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern (Filmbüro MV) geförderte Dokumentarfilm ÜBER LEBEN IN DEMMIN startete am Donnerstag, den 22. März 2018 bundesweit in den Kinos. Seit diesem Tag befindet sich Regisseur Martin Farkas auf Kinotour und steht dem Publikum für Fragen und Gespräche zur Verfügung. In Demmin, Greifswald, Malchin, Neubrandenburg und Neustrelitz waren die Vorführungen bereits bis auf den letzten Platz ausverkauft.

Sabine Matthiesen, Leiterin Kulturelle Filmförderung MV (Filmbüro MV) und Regisseur Martin Farkas (©itworks!)

Zeitzeugin Rosi Hirsch im Gespräch mit Martin Farkas (©itworks!)

Es gibt viele Fragen aus dem Publikum (©itworks!)

Zu der offiziellen Premiere im Demminer Filmeck hatten die Filmemacher vor allem die zahlreichen Protagonisten, ihr Filmteam und Gäste aus Politik, Kultur sowie einzelne Pressevertreter eingeladen. Die beiden Kinosäle des Kinos waren sowohl bei der Vorführung um 18 Uhr, als auch um 20 Uhr komplett besetzt. Die anschließenden Filmgespräche und die Vorstellung der Protagonistinnen und Protagonisten waren sehr emotional.

Patrick Dahlemann, SPD, Abgeordneter des Landtages MV und Parlamentarischer Staatssekretär für Vorpommern, hat Fragen (©itworks!)

Die Protagonisten Marcel und Inge (©itworks!)

Der Empfang im Lübecker Speicher, bei Brot aus der Demminer Stadtbäckerei, Allgäuer Käse und Griebenschmalz lud dann zum Austausch zum Gesehenen ein. Ins Gespräch kommen – das ist ein zentrales Anliegen des Films. Lange wurden die Traumata der Schrecken des Kriegsendes 1945 verschwiegen, die Jungen hatten kein Ohr für die Alten, was damals passierte, schwebte vage über der Stadt. "Wir müssen die Diskussion führen, um zu verstehen, warum die Ungeheuer immer wieder kommen.", betont Martin Farkas bzgl. der Aufarbeitung von Kriegstraumata gegenüber der Zeitung "der Freitag".

Im Lübecker Speicher Demmin (©itworks!)

Demmins Bürgermeister Dr. Michael Koch (rechts) im Gespräch mit Künstler Olaf Spillner (©itworks!)

Zeitzeugin Rosi Hirsch mit ihrem Lebensgefährten Heinrich Seyer (©itworks!)

Es gab reichlich Gesprächsbedarf (©itworks!)

ÜBER LEBEN IN DEMMIN wurde von der Entwicklung bis zur Auswertung von der Kulturellen Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern unterstützt und inhaltlich begleitet. Auch die Vorbereitung der MV-Premiere in Demmin war Teil davon. Insgesamt wurde das Projekt mit Mitteln i.H.v. 35.250 € gefördert. Umso größer ist die Freude über die überwältigende Resonanz des Publikums und der Presse auf diesen beeindruckenden Dokumentarfilm.

Sabine Matthiesen (Filmbüro MV), Jürgen Pohl (Edition Salzgeber) und Gesine Ploen (Filmbüro MV)

Die aktuelle Berichterstattung der Medien kann auf den folgenden Seiten verfolgt werden: NDR, Ostsee-Zeitung, Nordkurier, BR Kino Kino, RBB Kulturradio, BR 5, Evangelische Kirche MV, Spielfilm.de

Mecklenburg-Vorpommern Filmpremiere und bundesweiter Kinostart am 22. März 2018

Der von der Kulturellen Filmförderung des Landes geförderte Film ÜBER LEBEN IN DEMMIN wird in Anwesenheit des Filmteams, von Protagonisten, von Förderern und dem Parlamentarischen Staatssekretär für Vorpommern Patrick Dahlemann um 18 Uhr im Filmeck in Demmin präsentiert. Die zusätzlichen Vorführungen am selben Abend im Demminer Kino sind schon ausverkauft.

Filmstill aus ÜBER LEBEN IN DEMMIN

Eine Preview des Dokumentarfilms findet bereits am 20. März 2018 im Berliner filmkunst 66 in Anwesenheit von Regisseur Martin Farkas statt.

Der Filmemacher begibt sich ab dem 23. März auf Kinotour und steht bei den folgenden Vorführungen für Filmgespräche zur Verfügung.

  • 23.3.18, 20 Uhr, CineStar Greifswald
  • 24.3.18, 17 Uhr, Kino Malchin
  • 25.3.18, 16 Uhr, Latücht Kommunales Kino Neubrandenburg
  • 25.3.18, 18 Uhr, Basis Kulturfabrik Neustrelitz
  • 26.3.18, 20 Uhr, Kino Center Anklam
  • 27.3.18, 20 Uhr, CineStar Stralsund
  • 28.3.18, 18 Uhr, fsk Kino Berlin
  • 28.3.18, 20 Uhr, Tilsiter Lichtspiele Berlin
  • 30.4.18, Filmrauschpalast Berlin

In welchen Kinos der Film regulär ab dem 22. März 2018 zu sehen ist, kann man auf den Seiten des Verleihs Edition Salzgeber verfolgen.

Pressemitteilung der Staatskanzei MV ansehen

Kontakt zum Verleih:

ÜBER LEBEN IN DEMMIN: Verleih Edition Salzgeber, Ansprechpartner ist Dr. Christian Weber, Salzgeber Presse, Telefon (030) 285 290 70, presse[at]salzgeber.de, www.salzgeber.de

ÜBER LEBEN IN DEMMIN feiert seine Mecklenburg-Vorpommern-Premiere in Demmin

Der von der Kulturellen Filmförderung des Landes geförderte Film feiert seine Premiere im Land am Donnerstag, 22. März 2018 um 18 Uhr im Kino Filmeck in Demmin

In Anwesenheit des Filmteams, von Protagonisten, von Förderern und dem Parlamentarischen Staatssekretär für Vorpommern Patrick Dahlemann

Im Frühjahr 1945 wird Demmin, eine kleine Stadt in Mecklenburg-Vorpommern, zum Ort einer schrecklichen Tragödie. Hunderte Bürger der Stadt nehmen sich das Leben. Dies gilt als größter Massensuizid zum Kriegsende in Deutschland. Über die genauen Umstände wird fortan geschwiegen. Heute besetzen Neonazis mit einem alljährlichen "Trauermarsch" am 8. Mai diese Leerstelle und missbrauchen sie für ihre Zwecke.

Filmstill aus ÜBER LEBEN IN DEMMIN

Regisseur Martin Farkas geht in seinem Film ÜBER LEBEN IN DEMMIN den verborgenen Folgen der Ereignisse nach. Überlebende sprechen zum ersten Mal über die schrecklichen, lange verdrängten Erfahrungen ihrer Kindheit und Jugend. Farkas erkundet, welche Spuren die Traumatisierung und das Schweigen darüber bei den Nachgeborenen hinterlassen haben – und wie tief sie in unsere Gegenwart hineinwirken. Die Stadt wie er sie in diesem genau beobachteten, komplexen und aufrichtigen Film schildert, erscheint tief gespalten.

ÜBER LEBEN IN DEMMIN erzählt von Trauma, Gruppenzwang, falscher Trauer und dem politischen Missbrauch von Gefühlen – aber auch vom Überleben, vom Willen, sich gegen Hass und Fanatismus zu stellen und dem Wunsch, die Vergangenheit umfassend aufzuarbeiten. Der Film verdichtet darüber hinaus, wie ein Kaleidoskop, was uns heute bedroht: der Aufwärtstrend von Fremdenfeindlichkeit, Hass, Antisemitismus und Populismus aus der Mitte der Gesellschaft heraus.

Filmstill aus ÜBER LEBEN IN DEMMIN

Das Land Mecklenburg-Vorpommern förderte ÜBER LEBEN IN DEMMIN sowohl in der Stoff- und Projektentwicklung, wie auch in der Produktion, u.a. neben NDR, rbb und dem BR und beteiligt sich auch an der Herausbringung des Films in den deutschen Kinos. ÜBER LEBEN IN DEMMIN ist die dritte Regiearbeit von Martin Farkas, der für seine Kameraarbeiten u.a. für den Grimme-Preis und den Deutschen Kamerapreis nominiert war. In dem ebenfalls aktuell durch die Filmförderung des Landes geförderten Film WILDES HERZ von Charly Hübner und Sebastian Schultz, ist Martin Farkas als Chef-Kameramann für die Bildgestaltung verantwortlich. Er setzt Charly Hübner und seine Kollegen auch im Rostocker Polizeiruf 110 regelmäßig ins Bild.

Filmstill aus ÜBER LEBEN IN DEMMIN

"Wir wollen mit der Premiere dieses Films zum Kinostart am 22. März 2018 in Demmin für die Bürger vor Ort ein Zeichen setzen. Daher findet die erste Aufführung des Films in Mecklenburg-Vorpommern in Demmin statt. Neben den Protagonisten aus dem Film sind die Bürger Demmins zur Vorführung herzlich eingeladen. Im Anschluss gibt es Zeit für Gespräche mit dem Regisseur Martin Farkas und Patrick Dahlemann, dem Parlamentarischen Staatssekretär für Vorpommern" sagt Sabine Matthiesen, Leiterin der Filmförderung in Mecklenburg-Vorpommern, auch im Namen von Martin Farkas, der Produzentin Annekatrin Hendel und Björn Koll, dem Geschäftsführer des Verleihs Edition Salzgeber.

Bundesweite Verleihförderung für ÜBER LEBEN IN DEMMIN

In diesem Frühjahr ist der Kinostart des Dokumentarfilms ÜBER LEBEN IN DEMMIN von Martin Farkas geplant. Die Herausbringung des Films wird durch bundesweite Förderung unterstützt. Der Verleih von ÜBER LEBEN IN DEMMIN, die Salzgeber & Co. Medien GmbH, kann sich über eine Förderung i.H.v. 15.000 € durch die BKM (Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien) freuen.

Der Film wurde in Mecklenburg-Vorpommern realisiert und durch die Kulturelle Filmförderung des Landes unterstützt und begleitet. Die Premiere in Mecklenburg-Vorpommern wird in Zusammenarbeit mit dem Filmbüro MV noch vor Kinostart stattfinden. Nähere Informationen dazu folgen.

Filmstill aus ÜBER LEBEN IN DEMMIN (Quelle: IT WORKS! Medien GmbH)

Interview: Geschichte und Trauma

Ein Gespräch des Regisseurs Martin Farkas zu seinem Film ÜBER LEBEN IN DEMMIN mit Prof. Dr. Philipp Kuwert

Heute ist bekannt, dass Frauen und Männer der "Kriegskinder-Generation" häufig an immer wiederkehrenden Blockaden, diffusen Ängsten, dem Gefühl der Heimatlosigkeit, bleiernen Schuldgefühlen oder depressiven Verstimmungen leiden. Häufig treten diese Symptome erst jetzt, zum Ende ihres Lebens auf. Die Betroffenen selbst können sich oft nicht erklären, wo die Probleme ihren Ursprung haben könnten. An der Universität Greifswald hat der Psychiater Prof. Dr. Philipp Kuwert zur "Kriegskinder-Traumatisierung" und deren Folgen habilitiert. In einem Gespräch erklärt Kuwert, der mittlerweile Chefarzt der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Stralsund ist und wissenschaftlicher Berater des Filmes war, das Phänomen der "Transgenerationalen Weitergabe" von posttraumatischen Belastungsstörungen.

Martin Farkas (MF): Herr Prof. Kuwert, wie entsteht ein Trauma?
Prof. Dr. Philipp Kuwert (PK): Ein Trauma ist ein von außen oder auch von innen kommendes Ereignis, das die seelisch leidlichen Bewältigungskapazitäten eines Individuums zu einem bestimmten Zeitpunkt überfordert. Zwei Drittel der Traumatisierten überstehen das Trauma ohne bleibende Folgen. Einem Drittel aber bleibt das Trauma oder wird sogar noch schlimmer. Ab einem bestimmten Zeitpunkt sprechen wir dann von einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).

MF: Und was ist das genau?
Prof. Dr. PK: Die posttraumatische Belastungsstörung hat vier charakteristische Aspekte: (1) eine Übererregung, d.h. die Patienten sind überschreckhaft, was in den ersten Tagen nach dem Trauma auch normal ist, aber was sich bei einer PTBS nicht zurückbildet, sondern chronisch bleibt. (2) Die Betroffenen haben lebhafte Wiedererinnerungen an das traumatische Ereignis. Das Kennzeichnende dieser Wiedererinnerungen ist, dass ihnen das Gefühl der Vergangenheit fehlt. (3) Die Betroffenen versuchen diese Flashbacks zu vermeiden, weil sie natürlich beängstigend sind. Dieses Vermeidungsverhalten ist ein wichtiger Aspekt der Diagnostik: Die Betroffenen versuchen, Schlüsselreize zu vermeiden, die an das Trauma erinnern könnten. Das Problem bei der Vermeidung ist wie immer bei krankhaften Ängsten, dass die Vermeidung eine Tendenz hat, sich auszubreiten. Daraus ergibt sich ein weiteres Symptom, (4): eine Gefühlsbetäubung und eine "Einschränkung der Gefühlsbreite". Die Betroffenen meiden den Kontakt mit lebhafteren Gefühlen. Sie freuen sich nicht übermäßig, sie versuchen aber auch nicht, in übermäßige Trauer zu geraten, weil die unbewusste Befürchtung, die dahinter steckt, ist, dann wieder in die katastrophalen Gefühle aus jener früheren Situation zu geraten, und das ist nicht aushaltbar. Das engt ihren Gefühlsspielraum deutlich ein.

MF: Wie kann sich ein Trauma von der einen auf die andere Generation übertragen?
Prof. Dr. PK: Der "Krankheitsgewinn" einer PTBS ist, dass Sie unbewusst vermeiden, erneut in die damaligen katastrophalen Gefühle gestürzt zu werden. Der Preis für Sie und Ihre Umgebung ist der eingeschränkte Gefühlsspielraum. Und das ist die wichtigste Schnittstelle in Bezug auf die nachkommende Generation: Für die Spiegelung der beim Baby entstehenden Gefühlskerne muss die Mutter (hier der Einfachheit halber, also die erste Bezugsperson) eine breite Möglichkeit haben, Gefühle selbst erleben zu können, aber auch fremde Gefühle spiegeln, also wiedergeben und diese wiederum regulieren zu können. Die Mutter signalisiert dem Kind, das schreit und noch gar nicht so recht weiß, ob und was es überhaupt für ein Gefühl hat, dass das, was das Kind jetzt gerade empfindet, dieses oder jenes Gefühl sein könnte, und gleichzeitig, dass dieses Gefühl das Kind nicht umbringen wird und es bald wieder erträglicher wird. Das ist das gelungene Wechselspiel zwischen Mutter und Kind. Eine Mutter aber, die massiv traumatisiert wurde, kann das so nicht zur Verfügung stellen. Insbesondere kann sie schwer oder gar nicht beruhigen, weil sie sich ja selbst und ihre Affekte nicht beruhigen kann. Ein Säugling wächst also ohne Beruhigung auf und erkennt nur zwei Zustände: der eine ist Lust und der andere ist Unlust, und bei Unlust wird geschrien. Ausreichend gesunden Eltern gelingt es häufig genug, also sprich in Millionen von Einzelkontakten, die Gefühlsmarkierungs- und Beruhigungsschleife durchzuführen. Dadurch lernt das Kind eine zunehmend breite Gefühlspalette für sich selbst. Zudem entwickelt es das Wissen, dass Gefühle handhabbar, regulierbar sind und, wenn es älter wird, benennbar. Gefühle bleiben nicht endlos lange bestehen, sie gehen wieder. Diese Erfahrungen sind natürlich für Kinder von traumatisierten Eltern, nicht so ohne weiteres bzw. nur eingeschränkter zu machen.

MF: Was ist das Verheerende an einem von Menschen verursachten Trauma?
Prof. Dr. PK: Ein Trauma, das von Menschen verursacht wurde, also interpersonelle Gewalt, ist immer schlimmer als ein technisches Trauma oder eine Naturkatastrophe. Bei interpersoneller Gewalt, die über einen hereinbricht, verunsichert einen nicht nur unmittelbare Bedrohung. Gleichzeitig stellt diese Bedrohung das gesamte Menschenbild infrage. Wir gehen normalerweise mit einem Gefühl durchs Leben, dass die allermeisten Menschen, die uns begegnen, uns eher wohlgesonnen, jedenfalls berechenbar sind. Dieses Weltbild wird durch ein von Menschen verursachtes Trauma radikal erschüttert. Die höchste Rate von behandlungsbedürftigen posttraumatischen Symptomen verzeichnen wir bei sexueller Gewalt. Die Häufigkeit einer PTBS nach einer Vergewaltigung – und ich meine hier nicht nur Kriegsvergewaltigung – beträgt etwa 50%, gefolgt von Kriegstrauma und Folter. Die ältere deutsche Bevölkerung hat insgesamt eine Häufigkeit von mindestens sieben Prozent klinisch relevanter posttraumatischer Symptome. Das ist sehr viel und ist eine noch heute schmerzende Narbe des 2. Weltkrieges.

MF: Wieso ist es wichtig, sich mit der Kriegstraumatisierung vergangener Generationen zu beschäftigen?
Prof. Dr. PK: Ich glaube, dass eine Auseinandersetzung mit diesen Mechanismen heute so wichtig ist, weil wir über das Verständnis der älteren Generation auch besser verstehen, was mit uns heute los ist. Zum einen gibt es viele Angehörige meiner Generation, die in den Möglichkeiten ihrer Gefühlsregulation verletzlich sind. Wir können wissenschaftlich jetzt zeigen, dass das viel mit diesem Thema zu tun hat. Zum anderen ist das deutsche Kriegstrauma ja nicht mal etwas Besonderes. Wenn wir die heutigen Kriegsschauplätze betrachteten, können wir davon ausgehen, dass diese Menschen unter den gleichen Phänomenen leiden. Das Thema Kriegstrauma ist international – und hochgradig relevant zum Verstehen von Nachkriegsgesellschaften, wie beispielsweise Palästina/ Israel, oder viele andere mehr.
Zum Trauma- kommt auch noch ein Vermächtnisthema: Die Menschen denken im zunehmenden Alter zurück, bilanzieren. Es ist ja interessant, dass die Kriegstrauma-Diskussion in Deutschland über die sogenannten "Kriegskinder" aufkam. Andere traumatisierte Gruppen des 2. Weltkrieges – explizit die Veteranen, aber auch die Frauen – interessierten lange niemanden. Ich denke, dass das damit zusammenhängt, dass wir Deutschen, mit diesem Thema der unerträglichen Schuld, dass der Krieg von uns ausging, uns schwer tun mit dieser Ambivalenz, Menschen als Opfer von Traumatisierung zu untersuchen, die davor selbst partiell zu Tätern wurden. Die deutschen Soldaten kämen so, quasi vermittelt über die Wissenschaft, in eine Opferposition. Da war die Gruppe der "Kriegskinder" lange handhabbarer, weil man bei ihnen nicht in den Verdacht geriet, den Holocaust bagatellisieren zu wollen. Man kümmerte sich ja "nur" um die, die damals sechs oder zwölf Jahre alt waren, die konnten ja nichts für den Krieg. Durch diese Haltung wurde aus meiner Sicht eine noch rechtzeitige Aufarbeitung zu dem Thema "Psychotrauma bei Veteranen" verhindert. Ausgerechnet meine jüdisch-israelische Kollegin Zahava Solomon hat mich einmal gefragt, warum wir Deutschen nicht auch unsere Soldaten beforscht hätten. Als ich antwortete, dass diese doch auch Täter waren, hat Zahava gesagt: "In the trauma business everbody is the loser".
Über viele Jahrzehnte gab es in dieser Diskussion bei uns nur Schwarz und nur Weiß, nur Täter und nur Opfer. Und das war auch notwendig. Bei einem sehr versehrten Individuum ist eine solche Art der Schwarz-Weiß-Abwehr eine Überlebensstrategie. Erst wenn man in einer Therapie voranschreitet, kommt man zur Möglichkeit einer sogenannten Ambivalenz-Toleranz. Und je weniger sich die linke Elite dieser Ambivalenz gestellt hat – vermeintlich weil das irgendwie nicht politisch korrekt gewesen wäre, auch darüber nachzudenken, welche seelischen Versehrungen in Deutschland der Krieg angerichtet hat – umso mehr instrumentalisieren das jetzt die Rechten.
Ängste vor dem Fremden haben archaischen Charakter. Es wird immer einen Kampf darum geben, auf zu schwierige Projektionen zu verzichten, oder gar das auszuagieren, also andere dafür anzugreifen, dass sie Fremde sind. Das Erlangen reiferer Abwehrmechanismen, also die Fähigkeit, darauf zu verzichten, auf andere Menschen oder Gruppen eigene schwierige Anteile zu projizieren, ist ein sehr zerbrechliches Gut, das immer wieder mühsam erarbeitet werden muss. Wir sind alle immer wieder davon bedroht, auf frühere Abwehrmechanismen zurückzugreifen, um uns selbst damit zu stabilisieren.

MF: Wie unterscheidet sich hier die Situation der Ostdeutschen zu den Westdeutschen?
Prof. Dr. PK: Man muss sehen, dass die Ostdeutschen nach der Wende ja nicht in jene soziale Marktwirtschaft gekippt sind, die wir als West-Kinder in den 60ern und 70ern erlebt haben – mit der 35-Stunden-Woche, relativ sicheren Anstellungen und niedriger Arbeitslosigkeit. Die Ostdeutschen sind nach der Wende direkt in den Neoliberalismus gerutscht, jene durchaus fragwürdige Form des Kapitalismus. Menschen, die äußeren Halt gewohnt waren, hatten auf einmal gar keinen Halt mehr. Die Ostdeutschen mussten in kurzer Zeit eine unglaubliche Anpassungsleistung erbringen. Vor der Wende ging es darum, möglichst wenig aufzufallen; auf einmal ging es darum, unbedingt aufzufallen, um Geld zu machen. Vielleicht kann man sich Demmin wie ein Kaleidoskop vorstellen, wo sich bestimmte Dinge verdichten.
Die am stärksten Betroffenen der Ereignisse sind dabei schon lange tot – denn extrem mit posttraumatischen Symptomen Belastete sterben statistisch auch früher. Übrigens nicht nur durch psychische Faktoren wie Suizidalität oder Suchterkrankungen (Alkoholismus, Zigarettensucht). Schwere Traumatisierungen erhöhen auch das Risiko von Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie erwischen nur die Widerstandsfähigsten, die anderen sind schon verstorben.
Die soziale Anerkennung als Trauma-Überlebender kann übrigens ein zentraler Heilungsfaktor sein. Es ist wichtig, dass traumatisierte Menschen Anerkennung erhalten: durch das nahe Umfeld, also Partner, Familie, Kinder, aber auch durch die Gesellschaft. Und bei letzterem sind Sie als Dokumentarfilmer ebenso eine Instanz der Anerkennung wie ich als Wissenschaftler.

Interview geführt von Martin Farkas, IT WORKS! Medien GmbH

Geförderte Filme des Landes feiern Weltpremiere beim größten deutschen Dokumentarfilmfestival in Leipzig

ÜBER LEBEN IN DEMMIN, gefördert von der Kulturellen Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern, feiert seine Weltpremiere beim 60. Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm – DOK Leipzig.

ÜBER LEBEN IN DEMMIN von Martin Farkas im Internationalen Programm

Nominiert für den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts

Das Festival startet am 30. Oktober 2017 und zeigt über fünf Tage hinweg ein Spektrum von mehr als 160 Dokumentarfilmen und interaktiven Arbeiten. Die Teilnahme der durch das Land geförderten Filme im führendsten und größten deutschen Dokumentarfilmfestival ist ein weiterer großer Erfolg für die Filmförderung des Landes, zeigt sich doch erneut, dass eine kompetente Auswahlkommission die richtigen und auch oft mutigen Entscheidungen trifft. Mecklenburg-Vorpommern zeigt auch in diesem Jahr wieder beim DOK Leipzig mit geförderten Filmen, dass das Land viel zu erzählen hat und die Geschichten aus dem Nordosten der Republik wichtig sind und immer wieder für Aufmerksamkeit sorgen.

Filmstill aus ÜBER LEBEN IN DEMMIN (Quelle: IT WORKS! Medien GmbH)

ÜBER LEBEN IN DEMMIN von Martin Farkas, produziert von Annekatrin Hendel, eröffnet einen erstaunlichen Blick in die Geschichte der Stadt Demmin zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Eine Zeit, zu der die Nationalsozialisten aus der Region flohen und sich die Einwohner der Gegend den näher rückenden sowjetischen Truppen gegenüber sahen. Anfang Mai 1945 kommt es in der pommerschen Kleinstadt zu einem Massensuizid mehrerer Hundert Zivilisten. Zwischen ideologischer Leere und der Angst vor der Roten Armee herrscht Verzweiflung. Ganze Familien gehen ins Wasser, erhängen oder vergiften sich. Ein Phänomen, wie es in diesem Umfang kaum an anderen Orten Deutschlands vorkam und dass die Demminer noch heute prägt. Da sind die Rechten, welche die Folgen der Massenhysterie als Anlass für einen jährlichen Trauermarsch am 8. Mai, dem Tag der deutschen Kapitulation, missbrauchen. Da stehen die Bürger Demmins, die sich teils angewidert, teils desinteressiert abwenden. Da gibt es Gegendemonstranten und einige Zeitzeugen, die nach mehr als 70 Jahren zum ersten Mal über ihre Erinnerungen sprechen.

 

Die Vorführungen von ÜBER LEBEN IN DEMMIN finden an folgenden Tagen statt:

Dokumentarfilm von Martin Farkas

1.11.2017 um 19 Uhr Passage Kinos Universum (Weltpremiere)

2.11.2017 um 15:30 Uhr Passage Kinos Wintergarten

Das Filmteam wird zu den Vorstellungen anwesend sein.
www.itworksmedien.com

 

DOK Leipzig – das größte deutsche und eines der führenden internationalen Festivals für künstlerischen Dokumentar- und Animationsfilm und interaktives Storytelling

Das älteste Dokumentarfilmfestival der Welt, bei dessen erster Ausgabe bereits Animationsfilme Teil des Programms waren, und das sich heute bis in die crossmediale Kunst erstreckt. Dies macht Leipzig einzigartig in der internationalen Festivallandschaft, ebenso wie sein striktes Augenmerk auf künstlerische Qualität. Zum Programm gehören internationale Wettbewerbe, Wettbewerbe für animierte Dokumentarfilme, für deutsche Dokumentarfilme sowie der Next Masters Wettbewerb. Es gibt zahlreiche begleitende Programme wie den regionalen Fokus, eine reiche historische Retrospektive, die Hommage… Hochdotierte Preise werden von einer internationalen Fachjury verliehen. Das Festival findet vom 30.10. - 5.11. statt.

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