Aktuelles

Kulturelle Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern vergibt 102.250€

Größter Anteil der Fördermittel wird an Projekte von Frauen empfohlen

Die Auswahlkommission der Kulturellen Filmförderung hat unter dem Vorsitz von Sabine Matthiesen, Leiterin der Filmförderung, in ihrer zweiten Sitzung des Jahres am 16. November 2017 Empfehlungen für vier Filmproduktionen, eine Stoff- und Projektentwicklung und einen Antrag auf Verleih, Abspiel und Präsentation ausgesprochen.

"Die Auswahlkommission hat sich erneut für Empfehlungen entschieden, bei denen die Realisierung im Wesentlichen in Mecklenburg-Vorpommern durchgeführt wird sowie hier ansässige Filmproduzenten im Fokus stehen. Auffällig sind die starken Projekteinreichungen von Frauen, die sich in dieser Sitzung klar durchsetzen konnten. Fast 80 Prozent der Projekte werden von weiblichen Regisseurinnen und Produzentinnen gestemmt – ein klares Zeichen für die erzählerische Kraft von Frauen", freut sich Sabine Matthiesen, Leiterin der Filmförderung des Landes.

Ausgewählt wurde die Dokumentation ALS WIR KINDER SPITZEL WAREN von Wiebke Possehl, die für dieses Projekt im März bereits Förderung in der Stoffentwicklung erhalten hatte. Gemeinsam mit der Co-Regisseurin Kathrin Matern deckt sie ein hochbrisantes Thema der DDR-Geschichte auf. Ganz nah sind sie an ihren Protagonisten, die als Minderjährige vom Stasi-Apparat als Spione missbraucht wurden. Produziert wird von der Rostocker Firma Populärfilm Media. HOHE KUNST AUFS FLACHE LAND setzt die Kunsthalle Rostock, den ersten und einzigen Kunstmuseumsneubau in der damaligen DDR, in Szene. Produziert wird der Dokumentarfilm des Rostockers Jörg Herrmann durch die Stralsunder Clip Film- und Fernsehproduktion. Johanna Huth und Julia Gechter überzeugten die Auswahlkommission mit ihrem Konzept zum Kurzdokumentarfilm JOBCENTER, in dem sie sich erneut in die Lebensrealität von Bewohnern der Kleinstadt Parchim begeben. Nach DER FÄHRMANN UND SEINE FRAU und dem bald fertiggestelltem NACH PARCHIM, der Abschluss zur sogenannten Parchim-Trilogie der Filmemacherinnen. Der Fokus aller drei Förderempfehlungen für Filmproduktion liegt klar auf Mecklenburg-Vorpommern.

Das Projekt JÜRGEN FRIEDRICH MAHRT von Sönje Sturm wird im Rahmen der Verbundförderung mit unserem Nachbarland Schleswig-Holstein gefördert. Es ist die Geschichte eines Pioniers der dokumentarischen Fotografie im frühen 20. Jahrhundert mit dem Hauptmotiv Landleben.

Auch die Empfehlung für Stoff- und Projektentwicklung behandelt einen Stoff über Mecklenburg-Vorpommern. Die Autorin Franziska Hoffmann stammt aus dem Dorf Dranske auf der Insel Rügen und macht ihren Heimatort zum Mittelpunkt ihres Dokumentarfilms DIMENSION HEIMAT. Eine persönliche Momentaufnahme, 30 Jahre nach der Wende.

Nach der erfolgreichen Uraufführung von ÜBER LEBEN IN DEMMIN von Martin Farkas beim 60. DOK-Leipzig Filmfestival planen Filmteam und Verleih eine umfassende Festival- und Kinotour, natürlich mit erstem Halt und großer Filmpremiere in Demmin.

Herzlichen Glückwunsch von der Filmförderung des Landes Mecklenburg-Vorpommern und viel Glück und Erfolg!

Die Förderentscheidungen im Einzelnen:

Produktion:

ALS WIR KINDER SPITZEL WAREN, Wiebke Possehl, Kathrin Matern, Förderempfehlung: 30.000€

JOBCENTER, Johanna Huth, Julia Gechter, Förderempfehlung: 26.000€

HOHE KUNST AUFS FLACHE LAND, Jörg Herrmann, Clip Film GmbH, Förderempfehlung: 30.000€

JÜRGEN FRIEDRICH MAHRT, Sönje Storm, Förderempfehlung: 6.500€

Stoff- und Projektentwicklung:

DIMENSION HEIMAT, Franziska Hoffmann, Förderempfehlung: 7.500€

Verleih, Vertrieb, Abspiel:

ÜBER LEBEN IN DEMMIN, Annekatrin Hendel, IT WORKS! Medien GmbH, Förderempfehlung: 2.250€

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Dreharbeiten von geförderten Filmen erfolgreich abgeschlossen

KAHLSCHLAG von Max Gleschinski und DER LETZTE JOLLY BOY von Hans-Erich Viet befinden sich in der Postproduktion

Letzte Drehtage mit dem letzten ′Jolly Boy′ in Schwerin

"Die Drehreise mit Leon Schwarzbaum endet in Schwerin. Seit drei Jahren sind wir mit dem Holocaust-Überlebenden unterwegs, in seiner polnischen Heimat Bedzin, in seiner Geburtsstadt Hamburg, in der Lanz Talkshow, in Berlin, Niedersachsen, in Auschwitz… Eine wichtige Etappe war der Auschwitz-SS-Prozess gegen den 94 Jahre alten Reinhold Hanning am Landgericht in Detmold. Schwarzbaum war dort mit weiteren Überlebenden einer der Zeugen bzw. Nebenkläger. Wir haben den ganzen Prozess begleitet – dem vermutlich letzten SS Prozess in Deutschland, bei dem Hanning zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde.

Schwerin war für Leon Schwarzbaum der Ort der Befreiung, er überlebte den Todesmarsch von Sachsenhausen bis Schwerin, mit dem Aufenthalt im Belower Wald. Wir suchten in Schwerin nach einem ganz bestimmten Haus, an das er sich erinnert – ohne es jedoch zu finden. Dafür machten wir eine Schifffahrt auf dem Schweriner See, er redete über seine Erlebnisse ‒ auch ohne das Haus und wir machten wunderbare Aufnahmen im Sonnenschein.

Unter Hochdruck befinden wir uns nun in der Montage des Dokumentarfilms, der im Winter fertig werden soll. Es gilt eine Balance zu finden zwischen den vielen Geschichten über die Stationen von Schwarzbaums (Über)Leben und der Stimmung, die uns hier in Deutschland der Gegenwart umgibt." Hans-Erich Viet (Regisseur)

Drehschluss in Schwerin: Lenka Sukolowa (Ton), Thomas Keller (Kamera), Leon Schwarzbaum, Hans-Erich Viet (Regisseur), Sabine Matthiesen (Leiterin Filmförderung MV) (v.l.n.r.)

"Das Team der Filmförderung im Filmbüro MV gratuliert Hans-Erich Viet herzlich zum erfolgreichen Abschluss der Dreharbeiten. Mit zunehmender Ehrfurcht vor dem Durchhaltevermögen sowohl des mittlerweile 97-jährigen Protagonisten und wie auch seines Regisseurs verfolgten wir die Dreharbeiten und die Überwindung immer neuer Schwierigkeiten, nicht zuletzt finanzieller Art, die ihnen begegneten. Wir freuen uns sehr, dass wir bei der Entstehung dieses filmischen Zeitzeugnisses helfen konnten und die vom Land zur Verfügung gestellten Mittel so effektiv und sinnvoll eingesetzt werden konnten. Vielen Dank auch an die Auswahlkommission der Filmförderung", sagt Sabine Matthiesen, Leiterin der Filmförderung des Landes mit Sitz in Wismar.

Synopsis DER LETZTE JOLLY BOY

Leon Schwarzbaum, geboren 1921 in Hamburg, ist einer der letzten Überlebenden des Holocaust – er lebt seit vielen Jahren in Berlin. Er war im Auschwitz-SS-Prozess gegen Reinhold Hanning einer der Hauptzeugen bzw. Nebenkläger. Er sucht trotz seines hohen Alters die Öffentlichkeit, um endlich "die Wahrheit" zu sagen. Auch war er davor jahrzehntelang verstummt, erst im Alter entwickelt er die Energie, sich zu erinnern und sich zu äußern. Wir sind zusammen beim Landgericht in Detmold, wir sind in seiner polnischen Heimat in Bedzin, wir sind mehrere Male in Auschwitz. Und wir begleiten ihn, wenn er im Gefängnis von Zeithain zu Gefangenen spricht oder in der Talk-Sendung von Markus Lanz auftritt. Es entsteht über seine Lebensgeschichte eine filmische Reise durch deutsche Wirklichkeiten.

KAHLSCHLAG: Dreharbeiten erfolgreich abgeschlossen

Die Filmcrew um den Regisseur Max Gleschinski hat die Dreharbeiten zum Spielfilm KAHLSCHLAG erfolgreich in Rostock abgeschlossen. Alle Szenen sind im Kasten und mit großer Freude, aber auch etwas Wehmut kehrt das Team in den Alltag zurück bzw. startet nun in die Nacharbeit zum Dreh. "Dank unserer Sponsoren und dank unseres fantastischen Teams konnten wir diesen sonderbaren, spannenden und hoffentlich gefühlsechten Film umsetzen. KAHLSCHLAG wird etwas ganz besonderes und wenn er bei den Zuschauern nur annähernd für solch einen Gefühlsreigen sorgt wie es bei uns der Fall war, sind wir auf einem sehr guten Weg." Max Gleschinski (Regisseur)

Zeit zum Ausruhen bleibt kaum. Die vielversprechenden Bilder, die komplett in Mecklenburg-Vorpommern entstanden sind, gilt es nun zu ordnen und zu schneiden. An dieser Aufgabe arbeitet bereits der Editor des Films Marco Zanoni. Das erklärte Ziel ist die Fertigstellung von KAHLSCHLAG zum Sommer 2018.

"Bedingt durch die sich aus der Sache ergebende Nähe von Filmförderung und Filmproduktion konnte das Team des Filmbüro MV auch dieses Mal den Filmemachern bei praktischen Fragen zur Seite stehen. Es war aber eine besondere Freude, dies bei einem so jungen und engagierten, immer fröhlichen und zuverlässigen Team wie dem des Nachwuchsregisseurs Max Gleschinski zu tun. Und wir freuen uns und sind schon ganz gespannt auf das kommende Ergebnis sowie die weiteren Schritte dieses jungen Mannes aus Mecklenburg-Vorpommern." Sabine Matthiesen, Geschäftsführerin des Filmbüro MV, das u. a. die Filmförderung des Landes sowie das Landesfilmarchiv organisiert.

Sabine Matthiesen, Leiterin Filmförderung MV, Regisseur und Autor Max Gleschinski, Kameramann Jean-Pierre Meyer-Gehrke und Gesine Ploen am Set in Robertsdorf

Synopsis KAHLSCHLAG

Manchmal, da heißt es eben "Kahlschlag" – mit kleinen Geschichten, Jagdmesser und Angelhaken. Die Geschichte zweier Freunde, ihrer großen Liebe und eines Angelausflugs, der verhängnisvoll enden muss. Ein tragisch-bis-absurder Thriller vor der Kulisse Nordwestmecklenburgs.

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Vom Land geförderte Filme bei den 1. Schweriner Architektur-Filmtagen

Ein weiteres neues Filmfestival in Mecklenburg-Vorpommern geht an den Start: die Schweriner Architektur-Filmtage! Die erste Auflage wird am 11. und 12. November 2017 im Kino 4 des Filmpalastes Capitol in Schwerin stattfinden. Im Programm befinden sich u. a. zwei von der Kulturellen Filmförderung MV geförderte Filme über den Architekten Ulrich Müther (1934-2007), einem herausragenden Vertreter der architektonischen Moderne und Pionier des Betonschalenbaus, von dem mehrere prägnante Bauwerke in Mecklenburg-Vorpommern zu finden sind, so z. B. der berühmte Teepott in Warnemünde.

Filmstill aus SCHALENTERRITORIEN

An der Hochschule Wismar befindet sich das Müther-Archiv, an dem von diesem Jahr an verstärkt geforscht wird und von dem man in Zukunft sicherlich noch viele neue Einblicke in das Schaffen Müthers erhalten wird.

Sabine Matthiesen und Maix Mayer beim 11. Filmfest Wismar 2017

Gefördert wurde von der durch das Filmbüro MV verantworteten Filmförderung des Landes 2003 entstandene Streifen FÜR DEN SCHWUNG SIND SIE ZUSTÄNDIG von Margarete Fuchs (Sonntag, 12.11. um 11:00 Uhr). 2017 entstand dann, ebenfalls von der Filmförderung in MV gefördert das Dokumentarfilm-Essay SCHALENTERRITORIEN (Samstag, 11.11. um 15:00 Uhr). Regie führte Maix Mayer, der den Film in seiner Uraufführung als Eröffnungsfilm des 11. Filmfest Wismar 2017 bereits persönlich vorstellte. Produziert wurde der Film von der Greifswalder Produktionsfirma Hoferichter&Jacobs. Maix Mayer wird laut den Veranstaltern zur Vorführung im Capitol anwesend sein.

Das Ahornblatt als Torte wird angeschnitten

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Vom Land geförderter Film gewinnt den Deutschen Regiepreis METROPOLIS

Kirsi Marie Liimatainen: Beste Regie Dokumentarfilm für COMRADE, WHERE ARE YOU TODAY? Der Traum der Revolution

COMRADE, WHERE ARE YOU TODAY? gewinnt einen deutschen Spitzenpreis! Am 5. November 2017 wurden zum Abschluss der "Tage der Regie 2017" die Deutschen Regiepreise METROPOLIS in München verliehen. Die Preisverleihung fand zum siebten Mal statt und die Wahl der Preisträger lag in den Händen der mehr als 800 Mitglieder des Bundesverbandes Regie (BVR). Ausgezeichnet wurden herausragende Arbeiten aus dem Produktionsjahr 2016/2017. Der Deutsche Regiepreis METROPOLIS ist in den Augen der Prämierten eine ganz besondere Auszeichnung, denn die Preisträger werden von denjenigen bestimmt, die ihre Arbeit am besten einzuschätzen und zu würdigen wissen – den Kollegen aus dem Bundesverband Regie. Die Spitzenauszeichnung ist mit 5.000€ dotiert.

Filmstill aus COMRADE, WHERE ARE YOU TODAY?: Kirsi im Jugendclub Dresden (1988)

Der Film der finnischen Regisseurin erhielt Produktionsförderung der Kulturellen Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern und wurde 2016 fertiggestellt. Sie hat mehrere Jahre rund um den Globus gedreht – in Bolivien, Chile, im Libanon und in Südafrika. Kirsi Marie Liimatainen erzählt darin ihre persönliche Geschichte – von ihrem Studium der Lehren von Marx und Lenin in den 80er Jahren der DDR und ihrer Suche nach den ehemaligen Kameraden 20 Jahre nach dem Mauerfall. Ein großartiger, wichtiger und politischer Film.

Kirsi Marie Liimatainen, Sabine Matthiesen (Leiterin Filmbüro MV), Jenny Orgis (Regieassistentin) (v.l.n.r.) beim Filmfest Wismar 2017

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Vom Land geförderter Film feiert großen Erfolg beim 60. DOK-Leipzig

Vier Preise an WILDES HERZ von Charly Hübner und Sebastian Schultz

Schon die Weltpremiere des durch das Land geförderten Films im führendsten und größten deutschen Dokumentarfilmfestival, dem DOK Leipzig, ist eine große Auszeichnung für die Filmförderung des Landes. Und dann wird WILDES HERZ der meist ausgezeichnete Film des Festivals und räumt gleich vier Preise ab!

Ein glückliches Team und ein begeistertes Publikum in Lübeck: Jan "Monchi" Gorkow (Protagonist), Doris Bandhold (Kuratorin Filmforum), Vater Axel Gorkow (Protagonist), Sabine Matthiesen (Filmbüro MV), Charly Hübner (Regisseur) (v. l. n. r.), © Nordische Filmtage Lübeck

Diese wunderbare Nachricht aus Leipzig erreichte das Filmteam fast zeitgleich zur Präsentation des Films am 4.11.2017 bei den Nordischen Filmtagen in Lübeck. Wahre Begeisterungsstürme gab es vom Publikum nach der restlos ausverkauften Vorstellung für diesen großartigen, dynamischen Film über die norddeutsche Punkband Feine Sahne Fischfilet mit Frontmann Jan "Monchi" Gorkow und deren Engagement gegen Rechts. "Ein weiterer großer Erfolg für die kleine Filmförderung Mecklenburg-Vorpommerns: Einmal mehr wird damit eine sowohl sorgfältig wie mutig getroffene Entscheidung der Auswahlkommission der Filmförderung sowie die kontinuierliche tatkräftge Unterstützung von Produktionen durch das Filmförder-Team des Filmbüro MV belohnt", freut sich Sabine Matthiesen, Geschäftsführerin des Filmbüro MV, das die Filmförderung des Landes durchführt.

Herzlichen Glückwunsch an das gesamte Filmteam von der Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern!

Vater Axel Gorkow, Jan "Monchi" Gorkow, Sabine Matthiesen (Filmbüro MV), Charly Hübner (Regisseur), Doris Bandhold (Kuratorin Filmforum) (v. l. n. r.) in Lübeck

Die Punkband Feine Sahne Fischfilet und ihr Frontmann Jan "Monchi“ Gorkow positionieren sich in Mecklenburg-Vorpommern sehr deutlich gegen die rechte Szene. Die Band tauchte regelmäßig im Verfassungsschutzbericht des Landtags auf. WILDES HERZ setzt ihren Frontmann Jan "Monchi" Gorkow ins Zentrum der Erzählung. Regisseur Charly Hübner hat ihn mit seinem Co-Regisseur Sebastian Schultz drei Jahre lang begleitet und beleuchtet in Rückblicken Monchis Kindheit und Jugend. WILDES HERZ zeigt Monchis Entschlossenheit, sein Engagement, aber auch das Kantige an ihm. Ein mitreißendes Portrait dieser schillernden Persönlichkeit und über einen Musiker und das, was er über alles liebt: seine Heimat.

Produzent Lars Jessen und Jan "Monchi" Gorkow, © Nordische Filmtage Lübeck

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Geförderte Filme des Landes feiern Weltpremiere beim größten deutschen Dokumentarfilmfestival in Leipzig

Gleich zwei Dokumentarfilmprojekte, die von der Kulturellen Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern gefördert wurden, feiern ihre Weltpremiere beim 60. Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm – DOK Leipzig:

WILDES HERZ von Charly Hübner im Deutschen Wettbewerb

Nominiert für den ver.di-Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness, den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts, Gedanken-Aufschluss, den DEFA-Förderpreis

ÜBER LEBEN IN DEMMIN von Martin Farkas im Internationalen Programm

Nominiert für den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts

Das Festival startet am 30. Oktober 2017 und zeigt über fünf Tage hinweg ein Spektrum von mehr als 160 Dokumentarfilmen und interaktiven Arbeiten. Die Teilnahme der durch das Land geförderten Filme im führendsten und größten deutschen Dokumentarfilmfestival ist ein weiterer großer Erfolg für die Filmförderung des Landes, zeigt sich doch erneut, dass eine kompetente Auswahlkommission die richtigen und auch oft mutigen Entscheidungen trifft. Mecklenburg-Vorpommern zeigt auch in diesem Jahr wieder beim DOK Leipzig mit geförderten Filmen, dass das Land viel zu erzählen hat und die Geschichten aus dem Nordosten der Republik wichtig sind und immer wieder für Aufmerksamkeit sorgen.

Sabine Matthiesen, Leiterin Filmförderung MV, mit Jan "Monchi" Gorkow am Set von WILDES HERZ

WILDES HERZ – Punk gegen Rechts im Osten! Die Band Feine Sahne Fischfilet ist schon seit einiger Zeit eine Institution in der Musikszene Mecklenburg-Vorpommerns, gerade weil die Gruppe ihre Heimat thematisiert und sich gegen die Stigmatisierung des "Ostens" als Hort von Neonazis wehrt. Doch die Punkband wird auch aufgrund eben dieser Haltung vom Verfassungsschutz beobachtet. WILDES HERZ setzt ihren Frontmann Jan "Monchi" Gorkow ins Zentrum der Erzählung. Regisseur Charly Hübner hat ihn mit seinem Co-Regisseur Sebastian Schultz drei Jahre lang begleitet und beleuchtet in Rückblicken Monchis Kindheit und Jugend. Charly Hübner gelingt ein mitreißendes Portrait dieser schillernden Persönlichkeit und gibt Raum für aktuelle Diskussionen rund um politischen Extremismus.

Filmstill aus ÜBER LEBEN IN DEMMIN (Quelle: IT WORKS! Medien GmbH)

ÜBER LEBEN IN DEMMIN von Martin Farkas, produziert von Annekatrin Hendel, eröffnet einen erstaunlichen Blick in die Geschichte der Stadt Demmin zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Eine Zeit, zu der die Nationalsozialisten aus der Region flohen und sich die Einwohner der Gegend den näher rückenden sowjetischen Truppen gegenüber sahen. Anfang Mai 1945 kommt es in der pommerschen Kleinstadt zu einem Massensuizid mehrerer Hundert Zivilisten. Zwischen ideologischer Leere und der Angst vor der Roten Armee herrscht Verzweiflung. Ganze Familien gehen ins Wasser, erhängen oder vergiften sich. Ein Phänomen, wie es in diesem Umfang kaum an anderen Orten Deutschlands vorkam und dass die Demminer noch heute prägt. Da sind die Rechten, welche die Folgen der Massenhysterie als Anlass für einen jährlichen Trauermarsch am 8. Mai, dem Tag der deutschen Kapitulation, missbrauchen. Da stehen die Bürger Demmins, die sich teils angewidert, teils desinteressiert abwenden. Da gibt es Gegendemonstranten und einige Zeitzeugen, die nach mehr als 70 Jahren zum ersten Mal über ihre Erinnerungen sprechen.

Die Vorführungen der Filme finden an folgenden Tagen statt:

WILDES HERZ

Dokumentarfilm von Charly Hübner und Sebastian Schultz

31.10.2017 um 19:45 Uhr Cinestar 4 (Weltpremiere)

Weitere Vorführungen:

1.11.2017 um 10 Uhr Cinestar 4

1.11.2017 um 17 Uhr JSA Regis-Breitingen

3.11.2017 um 10:30 Uhr Passage Kinos Universum

Das Filmteam wird zu den Vorstellungen anwesend sein.
www.eichholzfilm.de

 

ÜBER LEBEN IN DEMMIN

Dokumentarfilm von Martin Farkas

1.11.2017 um 19 Uhr Passage Kinos Universum (Weltpremiere)

2.11.2017 um 15:30 Uhr Passage Kinos Wintergarten

Das Filmteam wird zu den Vorstellungen anwesend sein.
www.itworksmedien.com

Herzlichen Glückwunsch an die Filmteams, wir drücken von Mecklenburg-Vorpommern aus ganz fest die Daumen!

 

DOK Leipzig – das größte deutsche und eines der führenden internationalen Festivals für künstlerischen Dokumentar- und Animationsfilm und interaktives Storytelling

Das älteste Dokumentarfilmfestival der Welt, bei dessen erster Ausgabe bereits Animationsfilme Teil des Programms waren, und das sich heute bis in die crossmediale Kunst erstreckt. Dies macht Leipzig einzigartig in der internationalen Festivallandschaft, ebenso wie sein striktes Augenmerk auf künstlerische Qualität. Zum Programm gehören internationale Wettbewerbe, Wettbewerbe für animierte Dokumentarfilme, für deutsche Dokumentarfilme sowie der Next Masters Wettbewerb. Es gibt zahlreiche begleitende Programme wie den regionalen Fokus, eine reiche historische Retrospektive, die Hommage… Hochdotierte Preise werden von einer internationalen Fachjury verliehen. Das Festival findet vom 30.10. - 5.11. statt.

Weitere Informationen zum Festival ansehen

Jan "Monchi" Gorkow (©: Neue Visionen Filmverleih)

WILDES HERZ ist gleich im Anschluss zu den Nordischen Filmtagen Lübeck 2017 eingeladen und läuft dort im Rahmen des Filmforums am 4.11. um 16:15 Uhr im Cinestar 7 in Anwesenheit des Filmteams.

Weltpremieren auf der DOK Leipzig: ÜBER LEBEN IN DEMMIN und WILDES HERZ

Gleich zwei Dokumentarfilmprojekte, die von der Kulturellen Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern gefördert wurden, feiern ihre Weltpremiere beim 60. Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm – DOK Leipzig. Das renommierte Festival startet am 30. Oktober 2017 und zeigt über fünf Tage hinweg ein Spektrum von mehr als 160 Dokumentarfilmen und interaktiven Arbeiten.

Filmstill aus ÜBER LEBEN IN DEMMIN (Quelle: IT WORKS! Medien GmbH)

Im Deutschen Wettbewerb dabei und nominiert für vier Preise ist das Langfilmdebüt von Charly Hübner WILDES HERZ. Im Internationalen Programm wird ÜBER LEBEN IN DEMMIN, produziert von Annekatrin Hendel, gezeigt.

Sabine Matthiesen und Charly Hübner am Set von WILDES HERZ

 

Die Vorführtermine von WILDES HERZ ansehen

Die Vorführtermine von ÜBER LEBEN IN DEMMIN ansehen

KAHLSCHLAG in Nordwestmecklenburg

Die Dreharbeiten zu dem Spielfilm KAHLSCHLAG des jungen Rostocker Autors und Regisseurs Max Gleschinski haben begonnen. Das ambitionierte Projekt erhielt Anfang des Jahres Produktionsförderung der Kulturellen Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern. In der Sitzung überzeugte die Auswahlkommission vor allem das starke Drehbuch. Max Gleschinski setzt auf dessen Grundlage und nach der Produktion erfolgreicher Kurzfilme und Musikvideos nun sein Langspielfilm-Debüt um.

Eine neue Szene wird eingerichtet.

Die ersten Drehtage verbringt das Filmteam in Nordwestmecklenburg – so zum Beispiel auf der Insel Poel, in Robertsdorf und in Alt Farpen. Sabine Matthiesen und Gesine Ploen von der Kulturellen Filmförderung MV nutzten die Chance für einen kurzen Set-Besuch und waren begeistert von der positiven Stimmung vor Ort. Die Dreharbeiten zu KAHLSCHLAG werden noch bis in den Oktober andauern und komplett in Mecklenburg-Vorpommern stattfinden.

Sabine Matthiesen, Leiterin Filmförderung MV, Regisseur und Autor Max Gleschinski, Bildgestalter Jean-Pierre Meyer-Gehrke und Gesine Ploen am Set in Robertsdorf

Vielversprechende Einreichungen zur zweiten diesjährigen Fördersitzung der Kulturellen Filmförderung

Die Förderanträge auf Produktions- und Stoff- und Projektentwicklungsförderung sind zum zweiten diesjährigen Einreichtermin bei der Kulturellen Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern eingegangen. Die kalkulierten Gesamtherstellungskosten aller Projekte liegen bei über 5 Mio. € und insgesamt wurde Förderung i.H.v. ca. 360.000 € beantragt. Wir sind gespannt auf die Entscheidungen der Auswahlkommission, die im November tagen wird.

Sabine Matthiesen, Johanna Huth und Julia Gechter (v.l.n.r.) im Filmgespräch zu DER FÄHRMANN UND SEINE FRAU

Die Mitglieder werden spannende Dokumentar- und Spielfilmprojekte bewerten können. So zum Beispiel den abschließenden dritten Teil der sogenannten Parchim-Trilogie von Johanna Huth und Julia Gechter, die mit DER FÄHRMANN UND SEINE FRAU, ebenfalls durch die Kulturelle Filmförderung des Landes unterstützt, große Erfolge feiern konnten. Die Produktionsfirma tvbmedia Productions hingegen will das Leben der nahezu unbekannten mecklenburgischen Komponistin Emilie Mayer mit Hilfe eines spannenden dokumentarischen Konzepts beleuchten. Und die in Greifswald ansässige Produktionsfirma Hoferichter&Jacobs plant in ihrem Dokumentarfilm wirtschaftliche Kriminalfälle in Mecklenburg-Vorpommern zu Zeiten der deutschen Wiedervereinigung aufzudecken. Das Spielfilmprojekt WARUM? des Regisseurs Bernd Böhlich kann bereits einen beeindruckenden Cast vorweisen, u. a. mit Alexandra Maria Lara, Karoline Eichhorn und Peter Kurth. Und unter anderem soll der Film im Landkreis Vorpommern-Greifswald realisiert werden.

Sabine Matthiesen, Margot Neubert-Maric, Gisela Tuchtenhagen (v.l.n.r.) im Filmgespräch zu UTBÜXEN KANN KEENEEN

Auf Unterstützung in der Stoffentwicklung hoffen die Dokumentarfilmerinnen Margot Neubert-Maric und Gisela Tuchtenhagen mit ihrem neuen Projekt auf Plattdeutsch zum LEVEN IN'T KASCHOTT (LEBEN IM GEFÄNGNIS). Sie waren im letzten Jahr mit ihrem plattdeutschen Film UTBÜXEN KANN KEENEEN sehr erfolgreich auf Kinotournee in Mecklenburg-Vorpommern. Das Projekt des Filmproduzenten und Regisseurs Hartmut Schulz und des renommierten Kameramanns Thomas Plenert hingegen will den traditionsreichen Werdegang der Holz-Fertigbauhäuser aus Wolgast ergründen – und somit ein Stück Wirtschaftsgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns dokumentieren.

Wir sind gespannt auf die Förderempfehlungen und wünschen allen Antragstellern schon heute viel Erfolg für die Umsetzung ihrer Projekte.

DEPORTATION CLASS beim Astra Film Festival in Rumänien

Der Dokumentarfilm DEPORTATION CLASS ist zum Astra Film Festival in Sibiu/ Rumänien eingeladen, einem der wichtigsten Festivals für Dokumentarfilme in Südosteuropa. Der Film ist für den Wettbewerb "Central & Eastern Europe" nominiert und die Filmemacher Carsten Rau und Hauke Wendler werden bei den Screenings in Rumänien dabei sein. 

In Deutschland läuft DEPORTATION CLASS nach wie vor in ausgewählten Programmkinos und hat bis zum Jahresende noch gut 60 Einsätze (www.deportation-class-film.de). Die meisten davon mit anschließenden Podiumsdiskussionen. 

FÜNF STERNE von Annekatrin Hendel bei den Ahrenshooper Filmnächten

Vom Land geförderter Film wird am 8.9.2017 im The GRAND gezeigt

Vom 6. bis 9. September 2017 lädt Ahrenshoop zum 13. Mal Filmschaffende und Cineasten zu den Ahrenshooper Filmnächten im Ostseebad ein. Sechs Wettbewerbsfilme sowie drei Filme des Sonderprogramms füllen die Kinotage des kleinen Filmfestivals. Grimme-Preisträgerin Annekatrin Hendel wird am Freitag, den 8. September 2017 um 17 Uhr ihren Film FÜNF STERNE im Rahmen des Sonderprogramms persönlich vorstellen. Das Sonderprogramm wird in Kooperation mit dem Künstlerhaus Lukas gestaltet, in das jährlich Drehbuchautorinnen und Drehbuchautoren kommen, um Filme vorzubereiten, zu drehen oder Drehbücher zu schreiben. Hendel hat im Rahmen ihres Stipendiums im Winter 2016 den Film FÜNF STERNE in Ahrenshoop gedreht.

Mit der Kamera und ihrer langjährigen Freundin Ines Rastig, die nach Scheidung und Unterhaltskrieg seit kurzem wohnungslos ist, quartiert sich Regisseurin Annekatrin Hendel im Luxushotel ein. Die beiden verbringen vier existenzielle Wochen im THE GRAND in Ahrenshoop am Meer. Die Gespräche kreisen um die oft glamouröse Vergangenheit in Ostberlin, als Ines als Sängerin, Malerin und Fotografin Teil der legendären Prenzlauer-Berg-Boheme war. Nach Jahren, in denen sie nur für Haushalt und Kinder gelebt hat, bringt das Internet und die Flucht zu Facebook wieder die Welt in ihr Leben und sie werden zu Rettungsankern in einem still gewordenen Künstlerinnenleben. Doch dann überschattet eine Diagnose alles andere. Eine Freundschaft zwischen zwei Frauen und eine Lebensbilanz zwischen Krankheit und Facebook, zwischen Scheidung und Online-Liebe. Ein bewegender Film, der noch lange nachwirkt.

"Ein schweres Thema, wer den Film gesehen hat, hat das aber nie bereut, im Gegenteil. Ich habe die Erfahrung mit dem Film gemacht, daß jeder, der den Film sah, mit neuen Ansichten das Kino verlassen hat. Jeder auf seine Weise, jeder mit seinem Horizont, denn was so persönlich verhandelt scheint, ist doch universell und wir haben alle mit diesem oder jenem Berührung. Ob es das Sterben ist, aber auch Freundschaft, Suche nach Glück, Erfüllung und Liebe, überhaupt die Suche nach dem was für einen richtig ist und wenn es nur vernünftige Lebensumstände und die pure Existenz sind. Und eben Scheitern. Aber es geht auch um Leidenschaft und die Kunst." (Annekatrin Hendel)

WILDES HERZ von Regisseur Charly Hübner erhält BESONDERS WERTVOLL

Filmbewertungsstelle vergibt Prädikat an vom Land geförderten Film

Die Punkband "Feine Sahne Fischfilet" und ihr Frontmann Jan "Monchi" Gorkow positionieren sich in Mecklenburg-Vorpommern sehr deutlich gegen die rechte Szene. Dadurch taucht die Band regelmäßig im Verfassungsschutzbericht des Landtags auf. Der Schauspieler Charly Hübner hat als Regisseur mit Co-Regisseur Sebastian Schultz Monchi und seine Band bei ihrer Anti-Rechts-Tour "Noch nicht komplett im Arsch", die durch ganz Mecklenburg-Vorpommern führte, begleitet. WILDES HERZ zeigt Monchis Entschlossenheit, sein Engagement, aber auch das Kantige an ihm. Ein dynamischer Film und ein liebevoll ehrliches Porträt über einen Musiker und das, was er über alles liebt: seine Heimat.

Am Set in Parchim: Sabine Matthiesen, Leiterin Filmförderung MV, Charly Hübner

WILDES HERZ wurde von der Kulturellen Filmförderung des Landes mit 30.000€ gefördert. Die Auswahlkommission vermutete zu Recht einen sehr interessanten und lebendigen Film. Und sie waren überzeugt von den verantwortlichen Akteuren des Films, allen voran Charly Hübner, der sein Langfilmdebut mit der Eichholz Stuben Filmproduktion realisierte. Fachleute aus Mecklenburg-Vorpommern waren bei Kamera und Ton beteiligt, Eddy Zimmermann und Richard Jakobi von der Rabauke Filmproduktion aus Rostock. Neue Visionen Filmverleih wird WILDES HERZ am 30. November 2017 in den Kinos starten.

D 2017, Dokumentarfilm, 90 min, Regie: Charly Hübner, Sebastian Schultz, Eichholz Filmproduktion in Koproduktion mit dem NDR, der Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern, der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, dem Kuratorium Junger Deutscher Film

Begründung der FBW-Jury

Für die Einen sind "Feine Sahne Fischfilet" linksradikale Musiker und Chaoten, für die Anderen politisch engagierte Künstler. Längst aber ist die Punkgruppe weit über ihren Heimatort Jarmen, ja selbst über Mecklenburg-Vorpommern hinaus bekannt. Jetzt hat Schauspieler Charly Hübner einen Film über ihren Frontmann Jan "Monchi" Gorkow gedreht.WILDES HERZ ist kein Bandfilm. WILDES HERZ ist aber auch kein reines Künstlerporträt. Der Film ist eine Reise in die Heimat Gorkows, ein Ausflug in das Spannungsfeld von Politik, rechter Gewalt und linker Gegengewalt im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. In der Diskussion zeigte sich die Jury beeindruckt von der Offenheit, mit der Gorkow vor der Kamera agiert.Ganz konventionell und chronologisch erzählt der Film aus dem Leben des Frontmanns. Das erscheint der Jury durchaus angemessen umgesetzt. Als kleines Kind ein hyperaktiver Junge, als Jugendlicher ein Fußballhooligan, der Spaß daran hat, Straftaten zu begehen und sich mit Polizisten zu prügeln, als junger Erwachsener der Sänger einer Politpunkband. Political correct, so erfahren Zuschauer gleich zu Beginn, war Gorkow nie, dafür aber spontan. Gewalt hat, auf die eine oder andere Art, sein Leben begleitet.

WILDES HERZ lebt von solch offenen und sehr persönlichen Bekenntnissen. Sie erst lassen den Wandel vom rechten Fußballrowdy zum linken Sänger plausibel werden. Frontmann Gorkow ist intelligent und authentisch. Er empfindet Ungerechtigkeit gegenüber anderen beinahe physisch am eigenen Leib. Eine Stärke, aus der er offensichtlich auch seine ungeheure Energie bezieht und der Film erklärt die Verflechtung von Beruflichem und Persönlichem.

Die Dokumentation zeigt offen, dass einige Texte der Band "Feine Sahne Fischfilet" zumindest politisch-radikal, wenn nicht gar gewaltbetont sind. Er bietet aber auch Erklärungen an. "Machen ist wichtiger, als schnacken", heißt es an einer Stelle. Ein Satz, der sich sowohl aus den Biographien der Bandmitglieder erklärt, als auch aus der politischen Realität in Mecklenburg-Vorpommern, wo Rechtsradikalismus ein umfassendes Problem darstellt. Da passt es gut, dass Protagonist Gorkow genauso ungeschützt, wie spontan zugibt, sogar er selbst habe noch immer Rassismus und Sexismus im Kopf. WILDES HERZ reißt seine Zuschauer mit. Schnitt und Montage stimmen und die Kamera leistet Großartiges. Hier und da neigt die Dokumentation allerdings dazu, in Richtung linker Heldenverehrung abzudriften. Die Jury hätte sich manchmal ein wenig mehr Distanz und vermehrt Stimmen der politisch jeweils anderen Seite gewünscht.

Dennoch schätzt die Jury Hübners Film als eine genauso wichtige, wie mutige Bestandsaufnahme zur politischen Situation in Mecklenburg-Vorpommern. Auch wenn ihr Engagement der Gruppe "Feine Sahne Fischfilet" einen ziemlich dauerhaften Platz im Bericht des Verfassungsschutzes eingebracht hat, wollen die Mitglieder der Band das nicht hinnehmen. Spontan und radikal wie sie sind, arbeiteten sie zur Landtagswahl 2016 ein Festivalprogramm aus und gingen ausgerechnet in den rechten Hochburgen Mecklenburg-Vorpommerns damit auf Tour.

www.fbw-filmbewertung.com

Vom Land geförderte Filme beim 13. Filmfest "der NEUE HEIMAT film"

25. bis 27. August 2017, Burg Klempenow

…BODENLOS – so der Titel des diesjährigen Filmfestes "der NEUE HEIMAT film" auf Burg Klempenow, das vom 25.-27. August 2017 zum 13. Mal internationale Kurz- und Dokumentarfilme zeigt. Das Festival bewegt seinen Horizont von persönlichen Geschichten in die weite Welt und fragt: "Wo ist hier?" Mit viel Raum für Gespräche mit Filmemachern und Gästen, dem Kinderfilmfest Otoni, Livemusik, gutem Essen und dem Blick auf das Tollensetal.

DEPORTATION CLASS steht am Freitag, den 25. August um 20:30 Uhr auf dem Programm und wird begleitet von Harald Gloede von Borderline Europe (Aachener Friedenspreis) und Stefan Schmidt, Flüchtlingsbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein.

DEPORTATION CLASS zeichnet erstmals ein umfassendes Bild von einer Sammelabschiebung in Deutschland – Bilder, die so nie zuvor gedreht werden durften: hochaktuell, bewegend, teils dramatisch. Von der detaillierten Planung über den nächtlichen Großeinsatz in den Unterkünften der Asylbewerber bis zu ihrer Ankunft im Heimatland und der Frage, was sie dort erwartet. Teilweise mit drei Kamerateams parallel gedreht, zeichnet der Film ein präzises, sehr nüchternes Bild dieser staatlichen Zwangsmaßnahmen.

FÜNF STERNE. Grimme-Preisträgerin Annekatrin Hendel wird am Sonntag, den 27. August um 17 Uhr ihren Film FÜNF STERNE persönlich vorstellen.

In FÜNF STERNE verbringt Annekatrin Hendel vier existenzielle Wochen mit ihrer Freundin Ines Rastig im Hotel THE GRAND in Ahrenshoop am Meer. Die Themen der beiden Frauen kreisen um die oft glamouröse Vergangenheit in Ostberlin, als Ines als Sängerin, Malerin und Fotografin Teil der legendären Prenzlauer Berg-Boheme war. Nach Jahren, in denen sie nur für Haushalt und Kinder gelebt hat, bringt das Internet und die Flucht zu Facebook wieder die Welt in ihr Leben und sie werden zu Rettungsankern in einem still gewordenen Künstlerinnenleben. Doch dann überschattet eine Diagnose alles andere. Eine Freundschaft zwischen zwei Frauen und eine Lebensbilanz zwischen Krankheit und Facebook, zwischen Scheidung und Online-Liebe. Ein bewegender Film, der noch lange nachwirkt.

Fotos: PIER 54 und IT WORKS!

www.derneueheimatfilm.de

Filmbüro MV in Wismar – ein guter Ort für erfolgreiche Projektentwicklung

Mecklenburg-Vorpommerns Filmcampus stets begehrt bei Filmschaffenden

Tatort-Regisseur und Schauspieler Axel Ranisch (ICH FÜHL MICH DISKO, ALKI, ALKI, ZORN), war im Juli 2017 erneut zu Gast in Wismar. Vierzehn Tage hielt er sich auf dem Campus des Filmbüro MV auf, und konnte trotz des geschäftigen Treibens um ihn herum NACKT ÜBER BERLIN signifikant weiterentwickeln. Die Stoffentwicklung wird durch die Filmförderung des Landes unterstützt, entstehen wird ein Psychothriller für das Kino. Das Konzept konnte in Wismar maßgeblich weiterentwickelt werden, und weitere Formate zu diesem großen Stoff sind ebenfalls bereits angedacht.

Axel Ranisch, Sabine Matthiesen

Die Übernachtung im Filmhostel, der Kreativraum für das Schreiben und auch Entspannung auf dem Gelände, alle Wünsche wurden wieder durch das Filmbüro-Team erfüllt. "Ich habe sehr konzentriert schreiben können, schaffte viel mehr noch als ich dachte, es waren erfolgreiche Wochen im Filmbüro, mit einem tollen Ergebnis. Es tut gut so einen Partner und Förderer an der Seite zu haben wie die Kulturelle Filmförderung in Mecklenburg-Vorpommern", freut sich Ranisch, der mit seiner Crew bereits 2014 von Wismar aus seine Dreharbeiten zu ALKI, ALKI in MV realisierte.

Vor Axel Ranisch war dieses Jahrs bereits Ende Juni das Team des transmedialen Projektes FALLADA – DAS EXPERIMENT zu Gast. Hans Fallada – damals wie heute begegnen wir dem Faszinosum an besonderen Orten in Mecklenburg-Vorpommern und im weltweiten Kulturraum. Im Filmbüro MV gingen gleich drei Generationen und drei Fachgebiete – Literaturwissenschaft, Filmregie und Filmproduktion – dem Phänomen auf die Spur.

Sven Stäglich, Frank Just, Sabine Matthiesen, Eva Hahn, Gunnar Müller-Waldeck (v. l. n. r.)

FALLADA erhält eine Förderung in der Stoff- und Projektentwicklung von der Filmförderung des Landes. Dabei handelt es sich um einen transmedialen Ansatz, der im Filmbüro an vier Tagen intensiv weiterbearbeitet werden konnte. Die vier Teilnehmer setzten sich in Form einer Klausur mit Workshop-Passagen intensiv mit innovativen Darstellungsformen, die für die sehr tiefgehende Annäherung an Hans Fallada und "seinem" ANDEREN heute möglich und geeignet sind, auseinander.

Social Media-Strategien und die praktische Anwendung von Virtual Reality in Kombination mit der Drehbucharbeit für einen Dokumentarfilm waren nur einige Bestandteile des viertägigen Workshops. Neben dem praktischen Anwenden neuer Technologien fanden verschiedene Testdrehs auf dem dafür bestens geeigneten Gelände des Filmbüros statt, sowie an weiteren ansprechenden Orten der schönen Hansestadt Wismar, u. a. im alten Hafen.

Professor Gunnar Müller-Waldeck (75) ist Literaturwissenschaftler, lehrte bis zur Emeritierung an der Universität Greifwald und beschäftigt sich seit vielen Jahrzehnten mit Leben und Werk Rudolf Ditzens (Hans Fallada). Neben zahlreichen anderen Veröffentlichungen widmet er sich thematisch immer wieder dem Faszinosum Fallada. Müller-Waldeck (Rundfunkautor und Hörspielverfasser) bringt in das Projekt seine umfassende Fachkenntnis, aber auch seine eigene Medienerfahrung ein.

Diplom-Regisseur und Autor Sven Stäglich (51) studierte Film- und Fernsehregie an der HFF Konrad Wolf in Babelsberg. Seine erste filmische eingehende Beschäftigung mit Hans Fallada hatte er 1993 mit seinem einstündigen Kino-Experimentalfilm ">Ein Fall ad a<".

Frank Just (31) hat sich bereits mit 21 Jahren selbstständig gemacht und gemeinsam mit zwei Mitstreitern die Produktionsfirma LUMALENSCAPE gegründet. LUMALENSCAPE beschäftigt heute 16 Mitarbeiter am Standort Leipzig. Just forscht an der Bewegtbildkommunikation der Zukunft. Dabei greifen er und LUMALENSCAPE auf einen breiten Erfahrungsschatz aus der interdisziplinären Produktion für Theater, Film, Fernsehen, Werbung und Live-Events zurück.

Eva Hahn (23) studiert Medienmanagement an der Hochschule Mittweida. Derzeit sammelt sie auf Basis einer theoretischen Beschäftigung erste Produktionserfahrung und erprobt sich im redaktionellen Bereich. Hahn erhält durch ihre koordinierende Funktion einen Überblick über die Gesamtheit des Projektes.

Neben der inhaltlich-technologischen Arbeit für das Projekt, plant das Team zukünftig weitere Workshops für und mit Kindern und Jugendlichen aus Wismar und Nordwestmecklenburg.

"Wir freuen uns in Wismar sehr darüber, daß die gute Infrastruktur auf dem Campus, verbunden mit der Filmförderung am gleichen Ort, nach wie vor so erfolgreich angenommen wird. Ich selbst bin möglichst oft mit ganzem Einsatz dabei, denn dieser Prozeß ist sehr spannend, bereichernd, verhilft zu tieferen Einblicken und einer passgenauen Unterstützung des Förderprojektes. Das Filmbüro MV erweist sich wieder als idealer Standort für Kreative der Filmszene. Ein sehr gutes Beispiel für Standortmarketing", sagt Sabine Matthiesen, Leiterin der Filmförderung MV und Geschäftsführerin im Filmbüro.

"Das Gelände des Filmbüros war der perfekte Ort für unsere Arbeit. Neben einer kreativen, freundlichen Atmosphäre finden sich auf dem Campus Seminarräume und technische Voraussetzungen für eine intensive Auseinandersetzung mit unserer Thematik und ansprechende Räumlichkeiten zum Übernachten. Wir danken Sabine Matthiesen und dem gesamten Team des Filmbüros für diese Möglichkeit und kommen sicher bald wieder", so Just, Geschäftsführer LUMALENSCAPE.

"Das transmediale Projekt stellt für mich eine neue Herausforderung dar. Das Filmbüro MV gab uns die Möglichkeit an diesem Wochenende hohe inhaltliche Kompetenz und Kreativität mit filmischen Fachwissen zu bündeln und weiterzuentwickeln", freut sich Eva Hahn, Medienmanagement-Studentin.

 

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