Landesfilmarchiv Mecklenburg-Vorpommern

Das 1996 gegründete Landesfilmarchiv hat sich das vorrangige Ziel gestellt, audiovisuelles Archivgut als oftmals vernachlässigter Bestandteil des kulturellen Erbes mit Bezug zum Land Mecklenburg-Vorpommern unabhängig von dessen Standort zu erfassen und zu verzeichnen. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um Dokumentarfilme, Spielfilme, populärwissenschaftliche Filme, Lehr- und Unterrichtsfilme oder Filme mit persönlichen Erinnerungen handelt. Bei dieser Arbeit bildeten die Reste des Filmbestandes der Bezirksfilmdirektion Schwerin den Grundstock, der zunächst mit einigen wenigen überlieferten Filmen von Filmklubs der Bezirkshauptstadt Schwerin angereichert wurde.

Als erste große systematische Arbeit nahm dann das Archiv Kontakt zu allen Kreisarchiven und den meisten Stadtarchiven des Landes auf und stellte eine summarische Auflistung der in diesen Einrichtungen vorhandenen audiovisuellen Dokumente zusammen.

In einem zweiten Schritt – der nunmehr fast abgeschlossen ist – wurden diese Filme sowohl inhaltlich, als auch deren technischen Parameter erschlossen und in einer Datenbank erfaßt, wozu die Filme zeitweise in das Archiv übernommen und auf Wunsch der Eigentümer nach der Verzeichnung selbstverständlich zurückgegeben wurden.

Das Archiv ist gern bereit, Filmbestände als Depositum zu übernehmen. Dabei verpflichtet sich das Archiv, die hinterlegten Filme vollständig und gesichert aufzubewahren und nach archivwissenschaftlichen Grundsätzen zu bearbeiten. Vertragliche Bestimmungen regeln in diesen Fällen die Art und Weise der möglichen Auswertung der Filme durch Filmemacher.

Großes Archiv mit modernen Datenträgern

Im Laufe der Zeit konnte das Archiv Hunderte seit Mitte der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts hergestellte Lehr- und sonstige Ausbildungsfilme übernehmen und in seinen Bestand einfügen. Eine Arbeit, die jetzt noch laufend vorgenommen wird, um die noch vorhandenen Lücken zu schließen.

Inzwischen kamen auch private historische Filme der unterschiedlichsten Formate in das Archiv, darunter zahlreiche Urlaubsfilme. Wenn deren Inhalt von gesellschaftlichem Interesse ist, ordnen wir sie gern in unseren Bestand ein. Beispiele dafür sind u.a. eine im Film festgehaltene Fährüberfahrt von Stralsund nach Altefähr auf Rügen oder eine vom Balkon eines Hauses in der Schweriner Innenstadt aufgenommene Parade von Truppen der Roten Armee.

Das Archiv ist auch zuständig für die Entgegennahme, Erfassung und Verwaltung der seit 1991 als Belegexemplare der kulturellen Filmförderung des Landes an das Archiv abgegebenen Drehbücher und Filme – diese allerdings meist auf moderneren Datenträgern.

Somit erhält das Landesfilmarchiv einen immer größer werdenden Überblick über die in oder über Mecklenburg-Vorpommern und seine Vorgängerterritorien hergestellten Filme, angefangen mit Flottenparaden unter Kaiser Wilhelm II. Ende des 19. Jahrhunderts bis hin zu den jüngsten Aufnahmen unserer Tage.

Zu Sichtungszwecken von analogem Filmmaterial verfügt das Archiv über einen der selten gewordenen professionellen Schneidetische, in dem Fall in einer kombinierten 16mm- und 35mm-Ausführung von der ehemaligen Firma Steenbeck aus Hamburg, Baujahr 1986.

Datenbank

Das Archiv verfügt zur Zeit über den Nachweis von mehr als 7.000 Titeln unterschiedlichster Formate aus der Zeit der Kindertage des Films bis hin zur Gegenwart und ist bei Anfragen nach Mecklenburg-Vorpommern betreffenden historischen Aufnahmen in kurzer Zeit in der Lage, Auskunft über die überlieferten audiovisuellen Quellen und deren Standort zu geben und entweder selbst zur Auswertung zur Verfügung zu stellen oder aber Möglichkeiten der Nachnutzung zu vermitteln und zu organisieren.

Diese Datenbank kann momentan noch nicht online eingesehen werden. Der Archivar ist jedoch bereit, kurzfristig thematische Quellenzusammenstellungen zu erarbeiten. Das Archiv ist ständig daran interessiert, seine Datenbank über Filme mit Bezug zum Land Mecklenburg-Vorpommern zu erweitern und ist dankbar für jeden Hinweis. Es nimmt natürlich auch gerne derartige Filme in seinen Bestand auf – auch als Depositum.

Darüber hinaus verfügt das Landesfilmarchive über umfangreiche Sammlungen von Filmplakaten und anderen filmischen Werbeträgern.

Kooperationen

In die Zuständigkeit der beiden größten Archive des Landes − des Landeshauptarchivs Schwerin und des Landesarchivs Greifswald − gehört auch das audiovisuelle Archivgut in ihrem Sprengel. Da die zur Sichtung und technischen Bearbeitung von Filmen unterschiedlichster Formate umfangreiche und teure Technik notwendig ist, die im Filmbüro MV vorhanden ist und zum Zwecke der Archivierung genutzt werden kann, wurden mit beiden Archiven Kooperationsverträge abgeschlossen und deren audiovisuelles Archivgut zum Teil als Deposita übernommen.

Das heißt, daß das Landesfilmarchiv staatliche Aufgaben wahrnimmt und so den Landeshaushalt dadurch entlastet. Im Gegenzug erfährt das Landesfilmarchiv Unterstützung bei seiner materiellen Ausstattung und bei der Restaurierung besonders wertvoller Filmplakate.

Andere Kooperationspartner sind vor allem die Hochschule Wismar, das Technische Landesmuseum und die Stadtarchive Schwerin und Wismar. Neben der Betreuung der Filme dieser Einrichtungen belegen zahlreiche gelungene und gut besuchte Veranstaltungen von einer guten Zusammenarbeit zwischen diesen Partnern und einem gewachsenen öffentlichen Interesse am filmischen Gedächtnis unseres Landes.

Service

Die vorhandene Technik im Filmbüro MV erlaubt es uns, Filmmaterial der unterschiedlichsten aber gängigsten Formate auf moderne Datenträger umzukopieren. Diese Arbeiten werden systematisch und im Bedarfsfall mit den im Filmarchiv liegenden Filmen ausgeführt. Eine Bearbeitung von Fremdmaterial kann aus Kapazitätsgründen nur erfolgen, wenn es sich um Aufnahmen von gesellschaftlichem Interesse handelt und der Eigentümer bereit ist, dem Archiv das Original des Films oder eine Kopie zur dauernden Aufbewahrung zu überlassen.

 

Bitte um Hilfe bei der Bewahrung des Kulturerbes

Wie möchten den Blick auch des privaten Publikums für vielleicht noch auf Böden und in Kellern liegende Filmschätze gleich welchen Formates schärfen und bitten darum, uns bei der Bewahrung und der Nutzung dieses Kulturerbes zu helfen, diese Filmschätze zu heben und uns zur Erfassung und Archivierung zu übergeben.

Das Archiv steht Ihnen dafür unter (03841) 618 220 und landesfilmarchiv[at]filmbuero-mv.de zur Verfügung.