Mecklenburg-Vorpommern fördert Kulturelle Filmprojekte
Förderentscheidungen vom 14.11.2011
In der letzten Sitzung des Jahres, die am 14.11.2011 im Filmbüro MV in Wismar stattfand, vergab die Auswahlkommission der Kulturellen Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern Fördermittel in Höhe von 96.500.-- € an insgesamt 12 Projekte. Insgesamt waren 34 Anträge eingereicht worden, davon 21 Anträge auf Stoff- und Projektentwicklung, 9 Anträge auf Produktionsförderung sowie 4 Anträge im Bereich Verleih, Vertrieb, Abspiel bei einem Antragsvolumen der Projekte von 369.000.-- € und Gesamtherstellungskosten von rund 1.5 Mio €. Drei Anträge wurden vor der Sitzung zurückgezogen. Mit dem Zuwendungsbescheid des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern vom heutigen Tag können die geförderten Projekte nun mit der Realisierung beginnen.
Der Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Mathias Brodkorb, überreichte den Förderbescheid persönlich im Filmbüro MV in Wismar, dem Sitz der Kulturellen Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern.

Dabei betonte er die Wichtigkeit des modernen Mediums Film und den hohen Stellenwert, den diese Förderung im Ministerium seit vielen Jahren hat. Es war der erste Förderbescheid überhaupt, den der junge, neue Minister übergab, er nahm sich Zeit für einen Rundgang und informierte sich vor Ort über das breite Angebot im Bereich Film und Medienkompetenzförderung.

Er ließ es sich nicht nehmen, am modernen Schnittcomputer Platz zu nehmen und hätte gern gleich einen Kurzfilm an der Trickfilmbox produziert. Beeindruckt zeigte er sich auch vom historischen Schneidetisch im Landesfilmarchiv, auf dem während seines Besuches noch unbekanntes Filmmaterial im 16mm Format gesichtet wurde.
Fünf Projekte erhalten eine Förderung im Bereich Stoffentwicklung, unter anderem der Rostocker Filmemacher Jörg Herrmann, der dem weitgehend unbekannten Kapitel der Waffendienstverweigerung in der DDR, den Bausoldaten nachgeht. Unter dem Motto „Mit dem Spaten zum Frieden“ setzten sie sich trotz aller Schikanen für eine friedlichere Welt ein. Nach dem sehr erfolgreichen Kinderkurzfilm „Neuneinhalbs Abschied“ von Halina Dyrschka, den die Kulturelle Filmförderung 2010 in der Produktion unterstützte und der die Bilder vom Drehort, dem Darß, um die ganze Welt brachte, wird nun das Drehbuch des ersten langen Kinderfilms der talentierten Autorin gefördert. Drei unerschrockene Kinder bewahren ihre Internatsschule vor der Schließung, dabei erleben Sie eine abenteuerliche Reise durch Mecklenburg-Vorpommern auf den Spuren von Heinrich Schliemann.
Produktionsförderung sprach die Kommission u.a. Stefan Eberlein aus, der in seinem Dokumentarfilm „Parchim International“ vom Aufeinandertreffen der Lebenswelten und Glaubenssysteme des chinesischen Unternehmers Jonathan Pang und den Menschen rund um den alten Militärflughafen Parchim, wo die europäische Drehschiebe für den internationalen Flugfrachtverkehr entstehen soll, erzählt. Der Film hat bereits einen Filmverleih und wird in den deutschen Kinos zu sehen sein. Mecklenburger Themen standen im Fokus der Entscheidungen, denn weitere finanzielle Unterstützung erhielten Regisseur Lutz Hofmann und die Greifswalder Produktionsfirma Hoferichter&Jacobs für einen Film über die seit zwanzig Jahren von jeglichen zivilisatorischen Eingriffen abgeschottete Ostseeinsel Wustrow und die Newcomerin Johanna Huth, die ein Portrait über Günther Linke realisieren wird, der seit 68 Jahren die älteste Fähre Mecklenburgs zwischen Parchim und Slate bedient.
Das Filmbüro Mecklenburg-Vorpommern dankt an dieser Stelle herzlich den Mitgliedern der Auswahlkommission Anna Fantl, Reik Möller, Susanne Penski, Prof. Gerd Schneider, Kai Voigtländer für ihre engagierte Arbeit.
Für folgende Projekte sprachen die Mitglieder der Auswahlkommission Förderempfehlungen an das Ministerium für Wissenschaft, Bildung und Kultur Mecklenburg-Vorpommern aus:
1. Produktionsförderung
„Abseitsfalle“, Dokumentarfilm von Timo Großpietsch
Regie: Timo Großpietsch |Fördersumme: 12.000.-- €
Produktion: Hoferichter& Jacobs
Menschen, die es normalerweise kaum schaffen, ihren eigenen Alltag alleine zu bewältigen, brechen auf, um eine Fußballweltmeisterschaft fern ihrer gewohnten Heimat zu gewinnen. Der Film taucht mit seinen Protagonisten in neue Welten ein und begleitet sie, wenn aus scheinbar kleinen Problemen große Hürden werden. Eine Milieustudie einer scheinbaren Randgruppe der Gesellschaft, die ihren Problemen mit Lebensfreude, Freundschaft und Kampfgeist begegnet.
„Die verbotene Insel“, Dokumentarfilm von Lutz Hofmann
Regie: Lutz Hofmann |Fördersumme: 10.000.-- €
Produktion: Hoferichter& Jacobs
Der Film begibt sich auf die Spuren eines einmaligen Naturexperiments, das auf der vor Rerik gelegenen Ostsee-Halbinsel Wustrow stattfindet: Seit nunmehr fast 20 Jahren ist die ehemals besiedelte und bewirtschaftete Halbinsel komplett von jeglichen zivilisatorischen Eingriffen abgeschottet: Von der Ostsee im Westen, demSalzhaff im Osten und einem streng bewachten Eingangstor an der schmalen Zufahrt. Auf 1000 Hektar kann sich die Natur ganz ohne den Menschen entfalten und machen was sie will.
„Parchim International“, Dokumentarfilm von Stefan Eberlein
Regie: Stefan Eberlein |Fördersumme: 22.000.-- €
Produktion: Lemme Film
In Parchim, mitten in der mecklenburgischen Provinz gelegen, soll auf einem alten Militärflughafen eine europäische Drehscheibe für den internationalen Flugfrachtverkehr entstehen. So verspricht es zumindest der chinesische Unternehmer Jonathan Pang, der dem Landkreis Parchim den alten Flughafen abgekauft hat. Ein Provinzflughafen als Brennpunkt der Globalisierung, als Wunschmaschine, in die jeder seine Träume hineinprojiziert: Die einen hoffen auch große Gewinne, die anderen auf einen festen Arbeitsplatz. Der Dokumentarfilm erzählt das Aufeinandertreffen der Lebenswelten und Glaubenssysteme als Tragikomödie mit teilweise bitteren Einblicken in die Realität des Kapitalismus.
„Ein Fluss, ein Fährmann und sein Kahn“, Dokumentarfilm von Johanna Huth
Autorin: Johanna Huth |Fördersumme: 7.500.-- €
Seit 68 Jahren bedient Günther Link die älteste Fähre Mecklenburgs, mitten im idyllischen Nichts zwischen Parchim und Slate und weiß so manche Geschichte zu Erzählen. Im Einklang mit sich lebt er mit Frau und Tieren auf seinem Hof. Während sich die ländliche Region zunehmend mit einer infrastrukturellen Schrumpfung konfrontiert sieht, bedient Günther noch immer die Fähre, zumindest dann wenn er das Läuten der Glocke noch hört.
2. Stoff- und Projektentwicklung
„Von der Schuld des Glücks“, Spielfilm von Uwe Saeger
Autor: Uwe Saeger |Fördersumme: 10.000.-- €
Jost Bitterich findet nach über 30 Jahren seine Tochter wieder, die, weil er als Fluchthelfer in der DDR zu 9 Jahren Haft verurteilt worden war, zwangsadoptiert wurde. Was für ihn das große Glück bedeutet, bringt sein bis dahin gesichertes familiäres Umfeld unwiderruflich zum kippen.
„In schweren Zeiten…“, Dokumentarfilm von Kirsten Poggendorff
Autorin: Kirsten Poggendorff |Fördersumme: 3.500.-- €
Der Film begleitet drei Menschen, die ehrenamtlich als Sterbehelfer arbeiten und sich so freiwillig in eine Situation begeben, die in unserer Gesellschaft ansonsten gemieden wird und versucht sich damit auch der Frage anzunähern, was der Tod in der heutigen Zeit in ihr bedeutet.
„Mit dem Spaten zum Frieden? Bausoldaten in Prora“, Dokumentarfilm von Jörg Herrmann
Autor: Jörg Herrmann |Fördersumme: 7.500.-- €
Der Dokumentarfilm geht dem in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannten Kapitel der Waffendienstverweigerung in der DDR nach. Dabei hat das Motto „Keine Gewalt“, welches dem Engagement der Waffendienstverweigerer zugrunde lag, die gesamte friedliche Revolution von 1989 begleitet. Einer der wichtigsten Standorte der Bausoldaten war Prora auf Rügen, wo sie sich trotz aller Schikanen für eine friedlichere Welt einsetzten.
„Die Schatzsuche“, Spielfilm von Halina Dyrschka
Autoren: Sebastian Weyland und Halina Dyrschka |Fördersumme: 10.000.-- €
Der Kinderfilm erzählt die Geschichte der außergewöhnlichen Internatsschule „Waldenstein“, der die Schließung durch korrupte Spekulanten droht. Um ihre geliebte Schule zu retten begeben sich Jonas, Amalia, und Tom auf die Spuren des legendären Heinrich Schliemann und des Schatzes von Waldenstein. Dieser führt sie auf eine abenteuerliche Reise, entlang der Oder, bis nach Polen und an die Ostsee.
„Einbruch/Ausbruch“, Kurz-Spielfilm von Holger Löwe
Autor: Holger Löwe |Fördersumme: 2.000.-- €
Der Profieinbrecher Adam wird in dem Kurz-Spielfilm während eines Einbruchs in eine Villa von seiner Freundin, ebenfalls Einbrecherin, mit dem Stand ihrer Beziehung konfrontiert. Sie will etwas Festes, sonst droht sie den Alarm auszulösen. Welche Freiheit will Adam aufgeben? Für ihn bedeuten beide Entscheidungen eine Art von Gefängnis.
3. Verleih, Vertrieb, Abspiel
„Kleines Stück vom Schicksal“
Carmen Blazejewski |Fördersumme: 2.000.-- €
Englische Untertitelung für Festivalteilnahmen sowie Kinotour in Mecklenburg-Vorpommern mit der Regisseurin Carmen Blazejewski.
„Abspielringe 2012 in MV“Landesverband Filmkommunikation e.V.
Landesverband Filmkommunikation MV e.V.|Fördersumme: 7.000.-- €
Unterstützung der Abspielringe der kulturellen Kinos in Mecklenburg-Vorpommern.
„SehSterne - Neuer Film aus MV beim FiSH 2012“Institut für neue Medien Rostock
Institut für neue Medien, Rostock |Fördersumme: 3.000.-- €
In der Reihe „Sehsterne“ beim FiSH 2012 in Rostock wird die kreative Szene im Land vorgestellt und bietet insbesondere auch jungen Filmemachern die Möglichkeit ihre Filme einer interessierten Öffentlichkeit zu zeigen.
Filmbüro Mecklenburg-Vorpommern
Sabine Matthiesen
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sabine.matthiesen@filmbuero-mv.de





