Perlen aus dem Landesfilmarchiv - Filmvorführung von "Kirche und Heimat" beim 5. Filmfest Wismar sorgte für lebhafte Diskussionen

Neben dem Landesfilmarchivar Karl-Heinz Steinbruch standen dem sehr interessierten Publikum am Sonntag, den 9. Oktober im Kino im Filmbüo auch Dr. Bunners (früherer Pastor zu St. Georg in Wismar) und Dr. Wurm (Landeskirchliches Archiv in Schwerin) Rede und Antwort.

In einer kurzen Einführung in die Entstehung des Films aus dem Jahre 1932 wurde besonders darauf hingewiesen, daß dieser Film in einer um 10% kürzeren Version 1933 erneut zensiert wurde, wobei nicht gesagt werden kann, welche Stellen der Schere zum Opfer fielen. Danach wurden die im Bundesarchiv - Filmarchiv noch überlieferten vier (von fünf) Akte des noch 50 Minuten langen Films vorgeführt.

Im Anschluß gab Dr. Wurm eine Einführung in den Film über die staatliche und kirchliche Vereinigung beider Mecklenburg im Herbst 1933. Dr. Wurm hatte wenige Tage zuvor in seinem Archiv Quellen zur Finanzierung des Films gefunden und konnte somit erste Forschungsergebnisse vorlegen, die beweisen, daß der Film von 1933 - obwohl nicht durch die Reichsprüfstelle zensiert - eine Zeit lang als Teil 2 des Films von 1932 gelaufen ist. Dieser im Verhältnis zum vorherigen laienhaft hergestellte Film mit einer Länge von rund zehn Minuten wurde anschließend wohl das erste Mal seit mehr als 75 Jahren wieder in der Öffentlichkeit gezeigt.

In der Diskussion wurden besonders die innerkirchlichen Auseinandersetzungen diskutiert, wobei Dr. Wurm der Aussage im zweiten Film widersprach, daß die Kirche geschlossen hinter den neuen Machthabern stand. Er stellte dem gegenüber, daß das zwar für die Kirchenführung in Mecklenburg zutraf, die durchweg den Deutschen Christen zuzurechnen sei, die als eine rassistische, antisemitische und am Führerprinzip orientierte Strömung innerhalb der Evangelischen Kirche eine Art Deutsche Staatskirche schaffen wollte. Ihnen standen jedoch die Mitglieder der Bekennenden Kirche gegenüber, die den Status der Kirche beibehalten wollten. Die Mehrzahl der mecklenburgischen Pastoren gehörte der Bekennenden Kirche an. Dr. Wurm zeigte auch ein Foto von der Synode vom September 1933, die auch als "braune Synode" bezeichnet wurde, bei der bis auf zwei, drei Synodale alle in SA-Uniform vor die Kamera traten.

Andere Diskussionen wurden um die im Film gezeigte Kirchen- und Staatssymbolik geführt, zum Beispiel um die Hakenkreuzflagge und die Reichsflagge an der Rostocker Marienkirche. Hier konnte Dr. Bunners ergänzen, daß es der Kirche ab 1936 verboten war, die eigene Flagge (violettes Kreuz in Weiß) zu zeigen. Auch wurde die im ersten Film thematisierte Siedlungspolitik der Kirche diskutiert und die Frage gestellt, inwieweit diese Politik den Ruf nach Land im Osten vorweggenommen habe.

Es konnten auch noch gezeigte Bilder lokalisiert werden, die nun im Findbuch des Landesfilmarchivs MV erfaßt werden können. Denn der anwesende Ortschronist von Hohen Viecheln hatte in kirchlichen Unterlagen Hinweise darauf gefunden, daß in seinem Heimatdorf 1932 Filmaufnahmen stattfanden und konnte nun den Ort mit den interessanten und umfangreichen Aufnahmen zu dem Zwischentext "Kirche und Heimat an einem mecklenburgischen Dorftag" als Hohen Viecheln identifizieren.

In Planung ist eine gemeinsame Filmveranstaltung mit dem Stadtarchiv Schwerin, diese könnte am nächsten Archivtag in der Thomaskapelle im Schweriner Dom stattfinden.