Geförderte Projekte

SPK KOMPLEX

(Arbeitstitel: PSYCHO RAF?)

Regie: Gerd Kroske

Dokumentarfilm, D 2017, 90 min

Produktionsförderung

Förderempfehlung: 1. Sitzung 2016/ 15.000

Kamera: Anne Misselwitz, Susanne Schüle, Kamerassistenz: Helge Haack, Christina Amate Garcia, Regieassistenz/ Aufnahmeleitung: Lisa M. Böttcher, Ton: Johannes Schmelzer-Zieringer, Benedikt Gaussling, Malte Audick, Dramaturgie: Antje Stamer, Montage: Stephan Krumbiegel, Olaf Voigtländer, Redaktion: Rolf Bergmann, rbb, Herstellungsleitung: Jens Scherer, Produktionsleitung: Fritz Hartthaler, Filmbuchhaltung: Karin Fiedler, Produktion: Realistfilm, Vertrieb: deckert-distribution GmbH, Verleih: Salzgeber & Co Medien GmbH & Ko. KG

 

Synopsis

Dr. Huber begründete gemeinsam mit Patienten in Heidelberg im Jahr 1970 das "Sozialistisches Patientenkollektiv". Umstrittene Therapiemethoden, politisches Agitieren und der massive Zulauf an Patienten, die den herkömmlichen Psychiatriebehandlungen und der Ärzteschaft tief mißtrauten, sorgten für harte Auseinandersetzungen, die eine zunehmende Radikalisierung des SPK beschleunigte. Letztlich endete alles mit Verhaftungen, Aberkennung der Approbation und einer mehrjährigen Gefängnisstrafe. Der Ruf, die RAF unterstützt zu haben und letztendlich in deren Terror aufgegangen zu sein, klebt seither an dem SPK. Die Frage, nach der vertanen Chance zur Selbstermächtigung von Patienten, ist davon überlagert. Der Film wird sich der unerzählten Geschichte des Deutschen Vorherbstes und seinen Folgen bis ins heute widmen. Eine Geschichte vom Irresein und Irrewerden, seiner öffentlichen Wahrnehmung und seiner (nicht) zwangsläufigen Gewalt.

www.realistfilm.de

www.salzgeber.de

 

Geförderter Film aus Mecklenburg-Vorpommern auf der Berlinale 2018

Der von der Kulturellen Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern geförderte Film SPK KOMPLEX von Gerd Kroske feiert seine Weltpremiere im Forum der 68. Berlinale.

Eine weitere schöne Erfolgsmeldung für die Filmförderung in Mecklenburg-Vorpommern. Der durch die hiesige Filmförderung mit einer Produktionsförderung unterstützte Dokumentarfilm SPK KOMPLEX von Gerd Kroske feiert seine Weltpremiere im FORUM Programm der diesjährigen Berlinale. Sabine Matthiesen, Leiterin der Filmförderung MV: "Wir sind stolz darauf, dass die Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern auch in diesem Jahr wieder mit einem Film auf der Berlinale vertreten ist. Erneut zeigt sich, welches gute Gespür die Auswahlkommission der Filmförderung MV bei ihren Entscheidungen hat".

Regisseur Gerd Kroske

Gerd Kroske, geboren in Dessau, DDR, (Regiestudium HFF "Konrad Wolf") kam Ende der 80er Jahre zum DEFA-Dokumentarfilmstudio und entwickelte seine filmische Handschrift inmitten des Umbruchs, den die Wende für seine Kollegen und die gesamte Gesellschaft bedeutete. Diese Erfahrung wirkt bis heute nach: Kroske findet seine Themen vor allem dort, wo sich die Verwerfungen geschichtlicher Ereignisse auf das Leben von Menschen auswirken. Mit unvoreingenommenem Blick spürt er seinen teils skurrilen, teils tragischen Figuren und Geschichten in den Randzonen der Gesellschaft nach. So auch in SPK KOMPLEX, in dem er das antipsychiatrische "Sozialistische Patientenkollektiv" (SPK) beleuchtet, das sich gegen die übliche "Verwahr-Psychiatrie" wehrte. Eine bisher unerzählte Geschichte des "Deutschen Vorherbstes" und seinen Folgen bis ins Heute widmet. Eine Geschichte vom Irresein und Irrewerden, ihrer öffentlichen Wahrnehmung und (nicht) zwangsläufigen Gewalt.

Mecklenburg-Vorpommern förderte bereits folgende Filme von Gerd Kroske: HEINO JAEGER – LOOK BEFORE YOU KUCK, der 2012 die Goldene Taube beim DOK Leipzig gewann. Darin beschreibt er den Maler, Kabarettisten und Radio-Star Heino Jaeger und dessen lebenslange Auseinandersetzung mit dem deutschen Wesenszustand. In SCHRANKEN spürt er den Erfindern der sogenannten Wegfahrsperren nach, die sogenannte "gewaltsame Durchbrüche", also Fluchtversuche an innerdeutschen Grenzübergängen verhindern sollten.

Filmstill aus SPK KOMPLEX: Haftkrankenhaus Hohenasperg

Zum Inhalt:

1970 begründete der Arzt Wolfgang Huber in Heidelberg gemeinsam mit Patienten das antipsychiatrische "Sozialistische Patientenkollektiv" (SPK). Umstrittene Therapiemethoden, politische Forderungen und der massive Zulauf von Patienten, die der üblichen "Verwahr-Psychiatrie" tief misstrauten, führten zum Konflikt mit der Universität Heidelberg und der Landesregierung, der sich bald zuspitzte und in die Radikalisierung des SPK mündete. Das gruppentherapeutische Experiment endet schließlich mit Verhaftungen, Gefängnis und der Aberkennung von Hubers Approbation.

Die SPK-Gerichtsprozesse wirken heute wie eine Vorwegnahme der Stammheim-Prozesse – mit Mitteln zum Ausschluss der Rechtsanwälte, Totalverweigerung der Angeklagten und empfindlichen Strafen für das Ehepaar Huber. Dabei stand die Härte der Strafverfolgung in kaum einem Verhältnis zu den eigentlichen Taten. Der Ruf, die RAF unterstützt zu haben und letztendlich in deren Terror aufgegangen zu sein, haftet dem SPK seither an. Ein Ruf, der überlagert, worum es damals eigentlich ging: um die Rechte von Psychiatriepatienten, Widerstand und um Selbstermächtigung. Um Fragen also, die noch immer Aktualität besitzen.

Herzlichen Glückwunsch von der Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern an Gerd Kroske und sein Team!

Weitere Informationen zur Berlinale ansehen

 

Regisseur Gerd Kroske

  • 1958 geboren in Dessau
  • Studium der Kulturwissenschaften an der Humboldt Universität zu Berlin und Regie an der HFF "Konrad Wolf", Potsdam-Babelsberg
  • 1987-1991 Autor und Dramaturg im DEFA -  Dokumentarfilmstudio
  • seit 1991 freischaffender Autor und Regisseur
  • Produzent bei Realist Film seit 1996

Filme (Auswahl)