Geförderte Projekte

DER LETZTE JOLLY BOY

Produktionsförderung

Förderempfehlung: 1. Sitzung 2015/ 20.000 €

Dokumentarfilm

Regie: Hans Erich Viet / Viet – Filmproduktion

Dokumentarisches Roadmovie mit dem 94-jährigen Holocaust-Überlebenden Leon Schwarzbaum. Als einziger seiner großen Familie überlebte er die Ghettozeit in Bedzin bzw. die Konzentrationslager Auschwitz, Buchenwald und Sachsenhausen sowie den berüchtigten Todesmarsch nach Schwerin. Dort wurde er im April 1945 von amerikanischen Soldaten befreit. Zum Titel des Films – Leon Schwarzbaum war mit drei anderen Jungs in seiner Jugend Sänger der "Jolly Boys".

 

Dreharbeiten von geförderten Filmen erfolgreich abgeschlossen

Letzte Drehtage mit dem letzten ′Jolly Boy′ in Schwerin

"Die Drehreise mit Leon Schwarzbaum endet in Schwerin. Seit drei Jahren sind wir mit dem Holocaust-Überlebenden unterwegs, in seiner polnischen Heimat Bedzin, in seiner Geburtsstadt Hamburg, in der Lanz Talkshow, in Berlin, Niedersachsen, in Auschwitz… Eine wichtige Etappe war der Auschwitz-SS-Prozess gegen den 94 Jahre alten Reinhold Hanning am Landgericht in Detmold. Schwarzbaum war dort mit weiteren Überlebenden einer der Zeugen bzw. Nebenkläger. Wir haben den ganzen Prozess begleitet – dem vermutlich letzten SS Prozess in Deutschland, bei dem Hanning zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde.

Schwerin war für Leon Schwarzbaum der Ort der Befreiung, er überlebte den Todesmarsch von Sachsenhausen bis Schwerin, mit dem Aufenthalt im Belower Wald. Wir suchten in Schwerin nach einem ganz bestimmten Haus, an das er sich erinnert – ohne es jedoch zu finden. Dafür machten wir eine Schifffahrt auf dem Schweriner See, er redete über seine Erlebnisse ‒ auch ohne das Haus und wir machten wunderbare Aufnahmen im Sonnenschein.

Unter Hochdruck befinden wir uns nun in der Montage des Dokumentarfilms, der im Winter fertig werden soll. Es gilt eine Balance zu finden zwischen den vielen Geschichten über die Stationen von Schwarzbaums (Über)Leben und der Stimmung, die uns hier in Deutschland der Gegenwart umgibt." Hans-Erich Viet (Regisseur)

Drehschluss in Schwerin: Lenka Sukolowa (Ton), Thomas Keller (Kamera), Leon Schwarzbaum, Hans-Erich Viet (Regisseur), Sabine Matthiesen (Leiterin Filmförderung MV) (v.l.n.r.)

"Das Team der Filmförderung im Filmbüro MV gratuliert Hans-Erich Viet herzlich zum erfolgreichen Abschluss der Dreharbeiten. Mit zunehmender Ehrfurcht vor dem Durchhaltevermögen sowohl des mittlerweile 97-jährigen Protagonisten und wie auch seines Regisseurs verfolgten wir die Dreharbeiten und die Überwindung immer neuer Schwierigkeiten, nicht zuletzt finanzieller Art, die ihnen begegneten. Wir freuen uns sehr, dass wir bei der Entstehung dieses filmischen Zeitzeugnisses helfen konnten und die vom Land zur Verfügung gestellten Mittel so effektiv und sinnvoll eingesetzt werden konnten. Vielen Dank auch an die Auswahlkommission der Filmförderung", sagt Sabine Matthiesen, Leiterin der Filmförderung des Landes mit Sitz in Wismar.

Synopsis DER LETZTE JOLLY BOY

Leon Schwarzbaum, geboren 1921 in Hamburg, ist einer der letzten Überlebenden des Holocaust – er lebt seit vielen Jahren in Berlin. Er war im Auschwitz-SS-Prozess gegen Reinhold Hanning einer der Hauptzeugen bzw. Nebenkläger. Er sucht trotz seines hohen Alters die Öffentlichkeit, um endlich "die Wahrheit" zu sagen. Auch war er davor jahrzehntelang verstummt, erst im Alter entwickelt er die Energie, sich zu erinnern und sich zu äußern. Wir sind zusammen beim Landgericht in Detmold, wir sind in seiner polnischen Heimat in Bedzin, wir sind mehrere Male in Auschwitz. Und wir begleiten ihn, wenn er im Gefängnis von Zeithain zu Gefangenen spricht oder in der Talk-Sendung von Markus Lanz auftritt. Es entsteht über seine Lebensgeschichte eine filmische Reise durch deutsche Wirklichkeiten.