Ältere Meldungen FiSH 01 (ab 2012)

FiSH 2012 I: Kulturelle Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern unterstützt JUNGEN FILM

Höchste bundesweite Förderung eines Jugendfilmfestivals kommt aus Mecklenburg-Vorpommern

Jan Riesenbeck ist der große Gewinner des Festivals, sein Kurzfilm SECHSTER SINN, DRITTES AUGE, ZWEITES GESICHT ist Film des Jahres.

Jan Riesenbeck bei der Preisübergabe durch Förderchefin Sabine Matthiesen

Ein wahrer Preissegen ging auf den quirligen jungen Filmemacher nieder, der sein Glück kaum fassen konnte. Nach fast vierjähriger Arbeit an der experimentellen, philosophischen und rasanten Collage (500 Settings und mehr als 300 Rollen) über die Frage, wie man seine eigene Weltsicht findet, wenn man durch die Augen anderer Menschen sieht, sei er jetzt nicht mehr pleite, wie der 26-jährige Filmstudent am Samstagabend bei der feierlichen Preisverleihung glücklich auf der Bühne sagte. Bereits zum zweiten Mal siegt Jan Riesenbeck in Rostock, 2008 war es der Kurzfilm "Kopfgeburtenkontrolle", beide sind im Rahmen seines Studiums an der Filmhochschule Kassel entstanden.

Neben den bereits festgelegten Preisen, 1.000 € durch den Rotary Club Heiligendamm und erstmals weiterer Barmittel in Höhe von 1.000 € durch die Landesregierung, wurde auch erstmals ein Produktionsbudget der Kulturellen Filmförderung in Höhe von 5.000 € an den Gewinner vergeben. Jan Riesenbeck kann nun, unabhängig vom Auswahlgremium, ein neues Kurzfilmprojekt in Wismar einreichen und erhält dabei die Unterstützung des Landes durch seine Filmförderung. „Mit individueller Beratung und professioneller Begleitung, in persönlichen Gesprächen“, sagt Sabine Matthiesen, Leiterin der Kulturellen Filmförderung in MV, „ich freue mich über jedes neue Talent, das wir in unserem Land unterstützen können und bin sehr gespannt auf die Zusammenarbeit mit Jan. Er hat mir gestanden, daß er schon viele tolle Ideen im Kopf hat und jetzt ganz anders planen kann“. Ein besonderer Förderschwerpunkt der Kulturellen Filmförderung in MV ist die Nachwuchsförderung, der neue Preis ist eine sehr gute Investition in die junge kreative Filmszene, er fördert die praktische Produktionsarbeit und professionalisiert die Medienarbeit im Land.

Film des Jahres geht auf Tournee in Mecklenburg-Vorpommern – neuer Preis von Rotary Club Heiligendamm und Mecklenburg-Vorpommern Filmverein vergebe

Moderator Axel Ranisch, GF Filmbüro MV und Rotary-Clubmaster Dr. Sven Andresen

Besonders wichtig ist für Nachwuchsprojekte die Unterstützung bei der Präsentation nach der Fertigstellung. Auf kurzem Wege, direkt vor Ort, entschieden sich daher Dr. Sven Andresen, der Clubmaster des Rotary Clubs Heiligendamm und Sabine Matthiesen, als Geschäftsführerin des Mecklenburg-Vorpommern Filmvereins, dafür, diese Präsentation mit jeweils 250 € zu unterstützen. Dieser mit 500 € dotierte neue Preis wird dem Landesverband Filmkommunikation MV e.V. zur Verfügung gestellt, der den Siegerfilm gemeinsam mit dem Regisseur auf Filmfestivals und in den mehr als 40 kulturellen Kinos im Land präsentieren wird.

Axel Ranisch und die glücklichen Gewinner des Publikumspreises

Der Publikumspreis ging an FIVE MINUTE LOVE STORY, der auch bei der fünfköpfigen Jury als  Film des Jahres heißer Kandidat war. 1.207,27 € erhielt Filmemacher Robert Jenne, 777 € von der Rostocker Brauerei und den Rest von den Gästen, die traditionell im M.A.U. Club zusammengelegt hatten. Den Adobe Förderpreis erhielt die Dokumentation "So wie ich bin", der Promotionspreis „Findling“ ging an den Kurzfilm "Ausgleich".

FiSH 2012 II: Geförderte Filme des Landes beim FiSH präsentiert

ÜBER DAS MEER – DIE DDR-FLUCHT DES ERHARD SCHELTER begeisterte die Gäste im beinahe ausverkauften Theater im Stadthafen.

Förderchefin Sabine Matthiesen, Regisseur Arend Agthe, Produzent Werner, C. Barg und Protagonist Uwe Dunkelmann

Regisseur Arend Agthe, Produzent Werner C. Barg und einer der Protagonisten des Films, der Boltenhagener Fischer Uwe Dunkelmann, präsentierten den Film gemeinsam mit Sabine Matthiesen in der Heimatstadt von Erhard Schelter. Die großartigen Bilder und die lebendigen Berichte von Erhard Schelter, sowie die spektakulären Szenen der Flucht, die nachgedreht wurden für das 80-minütige Doku-Drama, rührten die Zuschauer zu Tränen.

Spielszene aus ÜBER DAS MEER: Erhard Schelter und Volker Hameister

Im Publikum saß auch ein Zeitzeuge, dem ebenfalls erfolgreich die Flucht über die Ostsee in einem Faltboot gelungen war. Geschichte hautnah konnte so erlebt werden, das fast einstündige Filmgespräch wurde im Anschluß noch im Foyer des Theaters fortgesetzt. Auch Erhard Schelter, der an der Vorführung leider nicht teilnehmen konnte, ließ per Telefon Grüße ausrichten und versprach, bei der nächsten Vorführung, die im Rahmen einer Kinotour durch MV auch in Rostock stattfinden wird, ganz sicher dabei zu sein. Der Film wurde durch die Kulturelle Filmförderung des Landes mit 10.000 € und viel ehrenamtlichem Engagement seitens der Filmemacher im Land unterstützt und löst bei den Vorführungen im Publikum regelmäßig wahre Begeisterungsstürme aus.

UNTER MÄNNERN – SCHWUL IN DER DDR stand am Freitag auf dem Programm. In der sehr gut gefüllten Bühne 602 präsentierten Regisseur Ringo Rösener und Sabine Matthiesen den Dokumentarfilm, der seine Weltpremiere im Februar bereits bei der Berlinale feierte.

Die Regisseure Ringo Rösener und Markus Stein (Berlinale)

Die Zuschauer erhielten intensive und persönliche Einblicke in das Leben von Schwulen vor dem Mauerfall und waren von den Protagonisten und der Qualität des Films restlos begeistert. Ein großes Lob ging an den jungen Anklamer Regisseur, dessen Regiedebut, das er an der Seite von Co-Regisseur Markus Stein realisierte, seit 26. April bereits in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen ist. Hervorgehoben wurde auch die großartige Leistung des Produzenten Olaf Jacobs, von der Produktionsfirma Hoferichter & Jacobs aus Greifswald, der dem jungen Talent großes Vertrauen schenkte und ihm mit dem bewährten Team zur Seite stand. Der Film wurde durch die Kulturelle Filmförderung in der Stoffentwicklung und der Produktion mit insgesamt 15.000 € gefördert, ein schönes Beispiel dafür, welche Erfolge  auch mit wenigen Mitteln möglich sind.

UNTER MÄNNERN - SCHWUL IN DER DDR

Die nächste Vorführung von UNTER MÄNNERN – SCHWUL IN DER DDR findet in MV im Rahmen der Christopher Street Day Kulturwoche am 30. Juni um 19:00 Uhr im Kino im Filmbüro in Wismar statt. Der Termin in Wismar ist auch Start von Lesbisch-Schwulen Filmtagen, die ab 2013 regelmäßig durch das Filmbüro MV angeboten werden.

FiSH 2012 III: Kulturelle Filmförderung MV beim Workshop "Crowdfunding – alternative Filmfinanzierung" vertreten

Eingeladen zu diesem Workshop waren Filmemacher, Produzenten, Autoren, Projektarbeiter im künstlerischen und pädagogischen Bereich sowie Interessierte, die zu alternativer Filmfinanzierung Inspiration und Austausch suchten. Der Workshop vermittelte anhand von Beispielen und Impulsen der Referenten einen sehr guten Einblick in Finanzierungsformen neben der Akquise von TV- und Werbegeldern oder der Abhängigkeit von Förderungen. Deutlich wurde dabei, daß Crowdfunding eine Alternative zur klassischen Filmförderung ist, allerdings gilt dies für genau definierte Projekte und detailliert ausgearbeitete Marketingmaßnahmen. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, wieviel Zeit und Energie die sogenannte "Schwarmfinanzierung" beansprucht und sie oft auch nur ein Baustein in der Gesamtfinanzierung ist. Hervorgehoben wurde der hohe emotionale Faktor, der die Unterstützer dazu bewegt, finanzielle Mittel in ein Werk zu geben.

Die Kulturelle Filmförderung MV war durch Sabine Matthiesen vertreten, die Auskünfte über die Unterstützungsmöglichkeiten und auch Weiterbildungsangebote der hiesigen Filmförderung gab.  Weitere Referenten waren Anne Grabs, die über die Crowdfunding-Plattform "startnext.de" berichtete, sowie Vera Marie Rodewald, die insbesondere Medienpädagogische Projekte vorstellte. Die Filmemacher Shujun Wong und Valentin Gagerin berichteten von ihrem erfolgreichen und aktuellen Zeichenfilmprojekt „Reverie“, das gerade erfolgreich die angestrebte Fördersumme von 2.000 € durch die Community erreichte. Frank Lemloh, der Beauftrage der Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes in Mecklenburg-Vorpommern stellte sein Arbeitsfeld vor und gab Impulse zu den Themen "Bootstrapping" und "Crowdlending", besonders geeignet für Existenzgründer und kleinste Unternehmen.